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Sieben Sakramente





Die Sakramente

Arznei der Liebe





Wikipedia

Sakrament

Als Sakrament
bezeichnet man im Christentum
einen Ritus,
der als sichtbares Zeichen
beziehungsweise als sichtbare Handlung
eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes
vergegenwärtigt
und an ihr teilhaben lässt.

Auszug aus WIKIPEDIA, 20.3.2019






SIEBEN SAKRAMENTE

Von Jesus Christus selbst wurde offenbar
nur die Taufe und das Abendmahl direkt eingesetzt,
mit dem Handlungs-Auftrag an uns alle.
(Das glaubt auch die Evangelische Kirche.)

Noch Augustinus sprach aber von 304 Sakramenten
(er verstand das ganze Leben als "Sakrament")
und erst auf dem II. Konzil von Lyon,1274,
wurde - für die Katholische Kirche - die Siebenzahl festgelegt,

die auch Rudolf Steiner geisteswissenschaftlich
und menschenkundlich begründete und übernahm.

VDL






So lasset
in Geistes-Wandelung
unseren Leib - unserer Seele Träger -,
unser Blut - unseres Geistes Träger -
werden Seinen Leib,
werden Sein Blut.
ER sprach:
Nehmet hin;
Seine Gnade lasse uns sprechen:
Nimm hin.

Aus der Opferfeier - Rudolf Steiner








Warum Sakramente?



Die Sakramente: Arznei der Liebe

Die Liebe verbindet uns wieder mit der Quelle,
der Harmonie, der Schöpferkraft, dem Neu-Werden.
Ein besonders wirksames Heils-Werkzeug Gottes ist
die Arznei der Wandlung ins Licht: das Sakrament,
zur Heilung unseres krankmachenden Getrenntseins
vom lebendigen Schöpferwirken und -willen Gottes.
Denn letztlich: Alle Krankheit unseres physischen,
ätherischen Körpers, unserer Seele, wie unseres Geistes
wurzelt in der Nicht-Anbindung an unsere Leben und Harmonie
spendende Schöpfer-Quelle, in der Trennung von Gott ...
Sind wir nicht - mehr oder weniger - herausgefallen aus der Liebe ?

Weil diese Liebe bedingungslos ist,
dürfen auch Seine Liebe-Quellen - die Sakramente -
nicht mit Bedingungen belegt, dogmatisiert werden.
Es wäre Hybris Sein Wirken reglementieren zu wollen.
Sakramente sind keine Herrschaftsmittel, Besitztümer,
sondern vermitteln Gottes unerschöpfliche Gnade und Hingabe,
... den Menschen, die eines guten Willens sind.

Wir können IHN wahr-nehmen, Er-kennen (Evangelium),
wir lassen unsere Doppelgänger los, opfern unser Ego (Opferung)
und können uns dadurch verändern, verwandeln (Wandlung),
um dann wieder gekräftigt, gesundend an unser Höheres JCh anzuknüpfen,
uns wieder mit IHM vereinen (Kommunion).

Das Zentralsakrament (hier die Opferfeier, sonst die Messe, etc.)
ist ein Weg dafür, der jederzeit aufgreifbar ist,
die sieben Sakramente sind die heilenden Wiederverbindungs-
Quellorte in den speziellen Hoch- und Notzeiten,
an den Kreuzpunkten unseres Lebensweges.

Und letztlich wird das ganze Leben zu einer Wandlung hin zu Gott,
durch die Arznei das Sakrament,
Liebes-Gabe Gottes, die auch JCh aufgerufen bin weiterzuschenken ...
Werden auch Sie ein Priester .. !



Gehet hin und lehret .. und taufet ..
Und sehet,
JCh bin alle Zeit mit Euch!
Matt. 28/19-20










Die sieben Sakramente



in der Darstellung Rudolf Steiners
und der/unserer freien christlichen Praxis heute





INDIVIDUALITÄT
im menschlichen Lebenslauf


1 + Geburt . . . . . . . . . . Empfangskultus (Kinder-Taufe*)
(Physischer Leib) . . . . . .
(BAPTISMA)


2 + Erwachen . . . . . . . . Jugendfeier (Konfirmation)
(Ätherleib)
. . . . . . . . . . . (CONFIRMATIO)


3 + Wandlung . . . . . . . . Opferfeier (Gottesdienst -Abendmahl) als Zentralsakrament
(Astralleib)
. . . . . . . . . . . (EUCHARISTA)


4 + Erinnerung . . . . . . . . Lebensschau (Beichte)
(Ich)
. . . . . . . . . . . . . . . . (PAENITENTIA)

5 + Tod . . . . . . . . . . . . . . Sterbekultus : Ölung- Aussegnung - Bestattung
(Geistselbst) . . . . . . . . . . . (EXTREMA UNCTIO)


GEMEINSCHAFT bauen


6 + Christen- . . . . . . . . . . Verbindung (Priester-Weihe **) (Erwachsenen-Taufe)
Gemeinschaft
(Lebensgeist) . . . . . . . . . . (ORDO)


7 + Lebens- . . . . . . . . . . . Trauung
Gemeinschaft
(Geistesmensch) . . . . . . . . (MATRIMONIUM)





Sie können natürlich auch noch andere Perspektiven einnehmen.

* Die Kinder-Taufe wird von Rudolf Steiner ausdrücklich nicht als "Taufe",
sondern als Empfangskultus für das Neugeborene angesehen.

** So fände die wirkliche "Taufe", als
bewusstes Bekenntnis und Handeln, erst im 6. Sakrament statt,
das nun auch Aufruf/Berechtigung zum "laien-"priesterlichen Wirken/Beistand ist.


Siehe nähere Angaben zu den
verwendeten Rituale !



Siehe alle Sakraments-TEXTE in :
"DIE SAKRAMENTE in der freien christlichen Fassung Rudolf Steiners heute", BoD-Verlag;
KULTUS-HANDBUCH, in verschiedenen Ausführungen!

Siehe Literatur !

Sie finden die Bücher dazu auch im Shop unseres Verlages
und können diese direkt dort bestellen :
https://www.bod.de/buchshop/catalogsearch/result/?q=sakramente+heute










Dass es kein anderes Wort Gottes gibt
als das, was allen Christen
zu verkündigen aufgetragen ist,
dass es keine andere Taufe gibt
als die, die jedweder Christ vollziehen kann,
dass es kein anderes Gedächtnis
des Herrenmahls gibt
als das, bei dem jedweder Christ tun kann,
was Christus zu tun befohlen hat,
dass es keine andere Sünde gibt
als die, die jedweder Christ
binden bzw. lösen muss,
dass es kein anderes Opfer gibt
als den Leib eines jedweden Christen,
dass niemand beten kann,
außer allein der Christ,
dass niemand über die Lehre urteilen darf,
außer der Christ selbst.

Alle Christen
sind wahrhaftig geistlichen Stands,
und ist unter ihnen kein Unterschied,
denn des Amts halben allein. ...
Was aus der Taufe krochen ist,
das mag sich rühmen, dass es schon
Priester, Bischof und Papst geweihet sei.


Martin Luther (eingedeutscht)







Rudolf Steiner



Es ist das Wesen des Sakramentalismus,

dass der Mensch das Alltägliche mit spiritueller Weihe erfüllt. ...
Das ist etwas, was wirksam ist und immer wieder wirksam sein wird.
Wer das weiß, der weiß auch, dass bei unserer Kultur eine Umkehr notwendig ist.
Man mag sich noch so sehr bemühen, diesen physischen Plan
in Harmonie, in Ordnung zu bringen, es wird fehlschlagen,
solange man nur auf dem physischen Plane arbeitet;
wird auf der einen Seite Harmonie geschaffen, so wird auf der anderen Seite Disharmonie entstehen. Lassen sie aber das Spirituelle wirken,
so werden sie sehen, dass das Alltägliche in einer ganz anderen Weise angefasst wird.
Das ist Sakramentalismus.
Dieser Gedanke liegt auch dem christlichen Sakramentalismus zugrunde: die Heilung vom spirituellen Plane aus.
Ein Sakrament ist eine physische Handlung, die so verrichtet wird,
dass in ihr sich ein geistiger Vorgang ausdrückt. ...
Nichts ist im Sakrament willkürlich. Alles ist bis ins Kleinste hinein
ein Abbild eines höheren okkulten Vorganges.
Derjenige, der ein Sakrament verstehen will, bei dem das Zeremoniell ein Abbild ist eines geistigen Vorganges, der muss sich bekanntmachen mit dem, was da zugrundeliegt.
Es ist ein okkulter Vorgang, der den äußeren Augen entzogen ist.
Bei jedem Sakramentalismus vollzieht sich nicht nur etwas Verstandes mäßiges, sondern es vollzieht sich etwas,
was eine reale, okkulte Bedeutung hat.
Der Mensch muss wiederum spirituelles Leben schaffen
bis in jeden Handgriff und jeden Schritt hinein;
und das wieder einzuführen, ist die Aufgabe und das Bestreben
der spirituellen Bewegung (der Anthroposophie - VDL).
Der Sakramentalismus der früheren Zeit muss wiederkommen.
Man muss wissen, dass es ein anderes ist, aus dem Geiste heraus
zu handeln, als aus dem Materiellen heraus zu handeln.
Spirituelles Leben wieder ausströmen zu lassen, das ist unser Ziel.

Rudolf Steiner, GA 92, S.35f





Dasjenige, was im katholischen Dogma liegt,
geht ja auf bestimmte Formen älterer Erkenntnis zurück.

Man stellt sich vor, dass zwischen Geburt und Tod
der Mensch sieben Stadien durchmacht.

Erstens die Geburt selber, dann dasjenige, was man das Reifwerden nennt, die Pubertät, dann das, was man das Bewusstwerden der Innerlichkeit nennt um das 20. Jahr herum, dann das Gefühl, der Welt nicht zu entsprechen, nicht ganz Mensch zu sein, das ist das vierte.
Und dann, nicht wahr, das allmähliche Hineinwachsen in das Geistige. Diese Dinge sind dann etwas schwankend geworden, aber man stellte sich das ganze menschliche Leben einschließlich des sozialen in sieben Etappen vor, und man stellte sich vor, dass der Mensch zwischen Geburt und Tod herauswächst aus dem Geiste. ..

Diesen sieben Etappen müssen (jeweils) andere Kräfte entgegen gehalten werden.
Die Geburt ist eine Evolution, das Reifwerden ist eine Evolution,
jeder Evolutionsform wird eine Involutionsform entgegengestellt:
der Geburt die Taufe, der Pubertät die Firmung.
Jedes Sakrament ist das Inverse zu einer natürlichen Etappe
in der Evolution.
Man kann sagen, die katholische Lehre stellt sieben Evolutionsstufen dar, denen sie gegenüberstellt sieben Involutionsstufen,
und das sind die sieben Sakramente,
von denen vier irdisch sind, nämlich Taufe, Firmung, Altarsakrament, Buße. Diese vier sind so allgemein-menschlich wie physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Wenn sie höher hinaufgehen, kommen sie zum Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen. So wie das Herein scheinen aus der geistigen Welt, so sind die drei letzten Sakramente diejenigen, die in das Soziale gehen: die Ehe, die Priesterweihe, die Letzte Ölung. Das Hereindringen der geistigen Welt kommt in der Priesterweihe zum Ausdruck. Das sind also die sieben Sakramente, von denen die letzten sind die Letzte Ölung, die Priesterweihe und die Ehe.

Es sind einfach die Sakramente die inversen Vorgänge
für die natürlichen Vorgänge, die sich vollziehen für den Menschen,
und danach sind auch die entsprechenden Kulthandlungen
eingerichtet.

Rudolf Steiner, GA 342, S 137f





Die heilende Arznei :
das Sakrament



«Und wenn wir die Entwickelung (des Menschen VDL) so betrachten, dann zerfällt sie uns in einen Evolutionszustand, - das ist die Entfaltung, es geht nach außen - und in einen Involutionszustand, so dass die Evolution rhythmisch gefolgt wird von der Involution.
Evolution à Involution
Und erst wenn wir überall diesen rhythmischen Wechsel von Evolution und Involution studieren, kommen wir dazu, die volle Entwickelung zu verstehen. Aber der Mensch ist nun das allerkomplizierteste Wesen, weil er ja ein wirklicher Mikrokosmos ist. Bei ihm nimmt dasjenige, was hier als Evolution und Involution zunächst dem Begriff nach festgestellt worden ist, die allerkomplizierteste Form an. Diese allerkomplizierteste Form stellen wir einmal vor unsere Seelen hin in einzelnen Erscheinungen.

Denken wir zunächst einmal an die Geburt:
1. Geburt
Wenn wir auf die Geburt hinschauen, das heißt auf den Zusammenhang desjenigen, was aus dem embryonalen Leben herauskraftet, was sich also vollzieht zwischen Konzeption und der eigentlichen Geburt, so haben wir ein Hintendieren desjenigen, was vom Menschen vorher geistig- seelisch war, zum Materiellen. Es gliedert sich das Geistig-Seelische das Materielle ein. ...
Wir tragen also während der ganzen Zeit unseres Erdenlebens in uns die Kräfte, die uns als Reste der embryonalen Entwickelung im Innern verbleiben: die Kräfte der Geburt. ... Aber in uns setzt sofort, indem wir den ersten Atemzug tun, indem wir mit der Außenwelt in Berührung kommen, der andere Vorgang ein, der Vorgang, der bezeichnet werden kann als ein Sterbevorgang. Wir haben von allem Anfang an zugleich die Kräfte des Sterbens in uns. ... Durch das Wahrnehmen, durch das Denken gliedern sich in uns Sterbevorgänge ein. Das ist der entgegengesetzte Vorgang zu dem Evolutionsvorgang der Geburt. So wie die Menschheit sich entwickelt seit dem Zeitraum etwa vor und nach dem Mysterium von Golgatha, treten eben mit der Menschheit diejenigen Veränderungen ein, von denen ich gesprochen habe, und der Mensch muss in einer gewissen Weise heiligen den Involutionsvorgang, den der Evolution entgegengesetzten Vorgang. ... Wenn wir aber den Involutionsvorgang einsetzen fühlen, der als ein Sterbevorgang uns ergreift, so muss er seit jener Entgöttlichung der Welt, von der ich Ihnen heute Vormittag gesprochen habe, geheiligt werden, das heißt, es muss in ihn eingefügt werden dasjenige, was von dem Christus-Impuls ausgehen kann. Und so sieht man seit der Entwickelung des Christentums in dem Sterbevorgang etwas, dem hinzugefügt werden muss ein Sakrament; das ist das Sakrament der Taufe. Wir werden dann über sein Ritual noch zu sprechen haben. So dass wir sagen können: Was die Geburt als Evolutionsvorgang ist, das soll die Taufe werden als Involutionsvorgang. Wir sollen zu jenem Rhythmus, in den wir durch die Geburt hineingestellt werden, hinzufügen gewissermaßen das Zurückschlagen des Pendels in der Taufe.
TAUFE

Der zweite Evolutionsvorgang, der in unserem Leben eintritt, ist derjenige, welcher in aller Stärke sich dann zeigt, wenn der Mensch geschlechtsreif wird, wenn sein physischer Leib und sein Ätherleib zu einer gewissen Entwickelung gekommen sind und der Astralleib beginnt, mit seiner Entwickelung ganz besonders einzusetzen ... Dasjenige also, was da als ein Evolutionsvorgang einsetzt, kann man bezeichnen als Reife:
2. Reife
Das ist der Evolutionsvorgang. Der entsprechende Involutionsvorgang, der sich zur Reife geradeso verhält, wie sich die Taufe verhält zur Geburt, ist die Firmung oder Konfirmation.
Firmung, KONFIRMATION
Die Firmung oder Konfirmation hat also die Aufgabe - und wir werden sehen, welches demgemäß ihr richtiges Ritual sein kann -, dasjenige in christlichem Sinne dem Ich und astralischen Leib zu geben, wodurch alles, was durch das modifizierte Verbinden von Ich und astralischem Leib, dem Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Leiblichen, mit der Reifung sich entwickelt, was mit der Reife evolviert.

Wir treten damit aber in ein Lebensalter, wo wir mit Bezug auf die Entwickelung noch ein anderes haben: Wir sind untergetaucht mit unserem Geistig-Seelischen in das Physisch-Leibliche. Das Physisch-Leibliche hat unser Geistig-Seelisches ergriffen, das Geistig-Seelische ist dabei eine gewisse Vereinigung mit dem Physisch-Leiblichen eingegangen. Es ist dies der Entwickelungszustand, den wir, wenn wir ihn als Evolutionsvorgang betrachten wollen, bezeichnen als die Verleiblichung des Geistig-Seelischen im Menschen. Wir können sagen: Der dritte Evolutionsvorgang ist die Verleiblichung:
3. Verleiblichung
Wenn wir dazu nun den entsprechenden Involutionsvorgang suchen, so müssen wir vor allen Dingen auf dasjenige sehen, meine lieben Freunde, dass ja der Mensch, indem er dieses Untertauchen seines Geistig-Seelischen in das Physisch-Leibliche als eine besondere Kraft seines Wesens evolviert hat, fortwährend in einer Art von Schwingungszustand ist, in dem Zurückgehen zu dem Geistig-Seelischen, in dem Wiederuntertauchen in das Physisch-Leibliche, so dass er in einem Rhythmus drinnensteht, wodurch ihm droht, entweder ekstatisch sich zu verlieren in dem Geistig-Seelischen oder hinunterzufallen in das Tierische, in vollständige Verleiblichung. Der Mensch braucht etwas, was diesem Evolutionsvorgang als ein Involutionsvorgang gegenübersteht, und dieser Involutionsvorgang ist der Empfang des heiligen Abendmahles. Der Involutionsvorgang für die Verleiblichung ist das heilige Abendmahl.
HL. ABENDMAHL
... Das ist dasjenige, was der Mensch suchen muss, durch das Empfangen des Altarsakramentes sich in den richtigen Rhythmus zu bringen.

Aber damit wäre noch nicht die vollständige menschliche Evolution gegeben, sondern die vollständige menschliche Evolution schließt ein, dass wir nicht nur im einzelnen Augenblick drinnenstehen in dieser Schwingung zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen, sondern die vollständige Entwickelung schließt ein, dass wir auch in der Zeit immer wiederum zurückschwingen können. Wir brauchen die Erinnerung an die vorhergehenden erlebten Erdenerlebnisse, die Erdenerfahrungen. ... dasjenige, was mit dieser Rückerinnerung verknüpft ist, das vollständige Sich-innerlich-Fühlen, das vollständige Sich-in-die-Hand-Bekommen, das tritt eigentlich erst nach der Reifung ein ... wo man die Erinnerung wieder zusammenfasst, so dass die Erinnerung, indem man sie hat, eigentlich die volle Festigkeit des Ich konsolidiert. Kurz, wir sehen, dass sich immer mehr und mehr das konsolidiert, was wir die Lebenserinnerung nennen können. Es gehört zu unseren Notwendigkeiten, es ist dasjenige, was sich auch evolviert aus unserer menschlichen Wesenheit heraus:
4. Lebenserinnerung
Und der entsprechende Involutionsvorgang ist dasjenige, was empfangen worden ist im Christentum als das Sakrament der Buße.
BEICHTE
Da wird der Erinnerungsvorgang durchchristet; da wird der Erinnerungsvorgang dadurch, dass er durchchristet wird, zugleich ins Moralische hinaufgehoben. ...

Damit aber, meine lieben Freunde, sind die Vorgänge erschöpft, die sich im Menschen als Evolutionsvorgänge abspielen seit der Geburt, und wir haben dann das, dass der Mensch nun hintendiert auf naturgemäße Weise zu einem Involutionsvorgang. Wir haben eine Aufeinanderfolge von Evolutionen. In der Erinnerung ist die Aufeinanderfolge der Evolutionen wiederum schon stark in das Innere eingegangen. Die Erinnerung stellt also eine Verinnerlichung dessen dar, was sich als Geburt nach außen entfaltet hat.
Wir kommen, indem wir das weiterentwickeln, zu dem Fünften, was ganz naturgemäß ein Involutionsvorgang ist, wir kommen zu dem Tod, der das Leben des individuellen Menschen beschließt:
5. Tod
Wir haben früher einem Evolutionsvorgang immer in der sakramentalen Handlung einen Involutionsvorgang entgegengestellt; es sind aber allmählich die Evolutionsvorgänge ähnlich geworden den Involutionsvorgängen. Die Involutionsvorgänge in der Buße sind in einer gewissen Weise in äußerer Entfaltung dasjenige, was im Erinnerungsvorgang ganz innerlich beschlossen ist, es sind die Involutionsvorgänge also nach und nach genähert worden den Evolutionsvorgängen. Wir müssen, wenn wir jetzt die sakramentale Handlung haben wollen für diesen natürlichen Involutionsvorgang, den Tod, etwas an den Menschen heranbringen in kultusgemäßer, in ritualgemäßer Form, worin man nach einer geistigen Naturerkenntnis etwas sehen kann, mit dem man entgegentritt dem Sterbenden und an diesem Sterbenden etwas verrichtet, was in einer ähnlichen Weise sein geistig-seelisches Leben anregen soll, wie angeregt worden ist durch Naturvorgänge sein physisch-leibliches Wesen. Es soll, in Rhythmus ausgedrückt, beim Tode das Physisch-Leibliche wieder verschwinden, das Geistig-Seelische wiederum Form gewinnen. Aus gewissen Gründen, die wir noch zu erörtern haben werden, hat man immer in den Ölen, in allem Ölartigen dasjenige gesehen, was wiederum zum Geistig-Seelischen zurückführt. Der Ölungsvorgang wurde auch in der Natur als ein Verseeligungsvorgang angesehen. Daher vollführt man hier die heilige letzte Ölung.
HL. ÖLUNG
Wir fügen gewissermaßen den Evolutionsvorgang dem Involutionsvorgang jetzt hinzu.

Damit haben wir das individuelle Leben des Menschen erschöpft, und es bleiben noch zwei Beziehungen des Menschen vorhanden, die nicht mehr individueller Natur sind. Die eine Beziehung ist die, wo der Mensch, der hier auf Erden stehend ein physisch-leibliches Wesen ist, eingeht ein Verhältnis mit dem Geistig-Seelischen, wie es in den Himmeln bewahrt ist, so dass gewissermaßen die Nabelschnur zum Geistig-Seelischen, die durchschnitten worden ist, wiederum angeknüpft wird, des Menschen Tendierung zurückgeführt wird zu dem Geistig-Seelischen. Wir haben es dann nicht mit etwas Individuellem im Menschen zu tun, wir haben es mit einem Wechselverhältnis mit dem Himmlisch-Geistigen zu tun. Das aber ist etwas, was ja bei jedem Menschen, aber unbewusst, vorhanden ist. Wären wir ganz abgeschnürt von dem Geistig-Seelischen, wir könnten nimmermehr den Weg zurückfinden. Aber es ist ein tiefer Involutionsvorgang, der immerzu in uns vorhanden ist, ein ganz verborgener Vorgang, noch verborgener als das, was im Menscheninnern geschieht, wenn er mit seinem Organismus durch den Tod geht; daher ist es ein Prozess, der im Verlauf des individuellen Lebens des Menschen überhaupt nicht zum Bewusstsein kommt. Dafür muss ein äußerlicher Evolutionsprozess gesucht werden, und dieser Evolutionsprozess ist dann gegeben im Ritual der Priesterweihe.
Wir haben also sechstens einen Vorgang, der, wie gesagt, von selbst gegeben ist; die Verbindung, wie man sie nennen kann, und wir haben dementsprechend den äußeren, den Evolutionsvorgang in der Priesterweihe:
6. Verbindung : WEIHE

Und nun haben wir als Siebentes jenes Abbild im Irdischen, das im Irdischen das Verhältnis zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen zum Ausdruck bringt; dieses Verhältnis ist auf naturgemäße Weise gegeben in dem Verhältnis von Mann und Weib. Für jede richtige Anschauung ist ja das Verhältnis von Mann und Weib so, dass im Weibe dasjenige überwiegt, was den Menschen mehr nach dem Geistig-Seelischen hinneigt, im Manne dasjenige, was den Menschen mehr hinneigt nach dem Physisch-Leiblichen. ... Beide tragen also eine gewisse Unvollkommenheit in sich; zwischen beiden besteht daher ein Spannungszustand. Und wenn für diesen Spannungszustand, der naturgemäß gegeben ist in dem Verhältnis zwischen Mann und Weib, sein sakramentaler Evolutionswert gesucht wird - es ist ein tief verborgener Involutionsvorgang, auf den wir hier hindeuten, wenn wir auf das Männliche und Weibliche hindeuten -, so haben wir den gegeben in dem Sakrament der Ehe:
7. Mann und Weib : EHE

Das ist dasjenige, was in der christlichen Esoterik immer gelegen hat in Bezug auf den Sakramentalismus, insofern er auf den Menschen anzuwenden ist, dass der Mensch, der in die Welt hereintritt, zum Teil nur ausgestattet ist mit Evolutionswerten, zum Teil nur mit Involutionswerten, und dass immer dazugefügt werden muss durch das Sakrament zu dem Evolutionswert der Involutionswert, und zu dem Involutionswert der Evolutionswert. Man spricht gleichsam die Grundempfindung aus: Der Mensch tritt als ein unvollständiges Wesen in das irdische Dasein, er muss erst zu einem vollständigen Wesen gemacht werden. Als Individuelles drückt sich seine Unvollkommenheit aus in der Geburt, in der Reife, in der Verleiblichung, in der Erinnerung, im Tod. Dazu muss der Mensch, damit er vollkommen physisch-leiblich-geistig-seelisch lebt, hinzufügen auf sakramentale Weise: die Taufe, die Firmung, das Altarsakrament, die Buße und die letzte Ölung. In Bezug auf das Soziale steht der Mensch in dem ausnahmsweisen Zustand der Priesterlichkeit drinnen, wo durch das äußere Zeichen in sakramentaler Weise in der Priesterweihe auch hingewiesen werden soll auf dasjenige, was tief verborgen als Involutionswert vorhanden ist. Und in der Heiligung der Ehe durch das Sakrament soll eben zum Ausdruck kommen, wie das, was nur unvollständig gegeben ist bei Mann und Weib als ein Involutionswert, durch eine äußere sakramentale Handlung, durch den entsprechenden Evolutionswert ergänzt wird. ... Wir leben heute innerhalb unserer neueren Zivilisation fast einzig und allein in Evolutionswerten. Wir haben sehr notwendig, sakramental zu Involutionswerten wiederum zu kommen. Warum, meine lieben Freunde, haben die moralischen und die religiösen Wahrheiten für die heutige Menschheit eine so geringe Kraft? Sie haben geringe Kraft, weil es schon einmal notwendig ist, dass das, was an den Menschen herantritt, nicht bloß als Ermahnung und Gebot herantritt, sondern so, dass er gewahr wird, dass in diesem Herantreten ein wirkliches Durchdringen mit dem Göttlichen stattfindet. Das kann aber vor das menschliche Bewusstsein nur in der sakramentalen Handlung hintreten. »

Aus Rudolf Steiners Vortrag
am 2.10.1921, nachmittags, in Dornach.
Siehe diesen Vortrag vollständig auch in GA 343/13, S. 255-266 (1993).




Der Rhythmus dieser Hoch- und Notzeiten ist dem menschlichen Lebenslauf mitgegeben.

Dass es dabei nicht nur einen allgemein und überall und jederzeit für jedermann gültigen Text und eine Form geben kann, macht Rudolf Steiner schon damit deutlich, indem er nicht nur verschiedene Kultusformen vermittelte (bis hin zu den «Klassenstunden», ja der Anthroposophie selbst als «Gottesdienst» [ 24.12.1923, GA 260 ] ), sondern z.B. auf eine weitere Anfrage einer Taufe auch einen weiteren Text gab: Jedem das Seine.

Von Jesus Christus selbst wurde konkret nur die Taufe und das Abendmahl eingesetzt. Im jungen Christentum wurde eher das ganze Leben versucht zu heiligen, zu sakramentalisieren; so sprach Augustinus noch von 304 Sakramenten und erst auf dem II.Konzil von Lyon 1274 wurde die Siebenzahl festgelegt.

Die von Rudolf Steiner gegebenen Texte sind kein Dogma, sondern "Zwischenstation", bis wir aufgrund eigener Wahrnehmung die Sakramentalisierung des ganzen Lebens, das Göttliche wieder überall und immer finden und er-leben und damit Sakrament, Kommunion, Gottes-Dienst jederzeit ganz individuell selbst wahrnehmen, empfangen, gestalten und formulieren können.

Wie also sakramentale Handlung geformt und gefüllt wird, hängt von den Bedürfnissen und Möglichkeiten der sakramental Kommunizierenden ab.

Bis dahin ... können wir dankbar die von Rudolf Steiner zeitgemäß und spirituell vertieften Texte und Formen der Sakramente als dem Leben entsprechende Werkzeuge ergreifen, als gesundende Arznei brüderlich in Anspruch nehmen und weiterschenken,
auf dem Weg zum allgemeinen Priester-Sein des Menschen;
heute schon... Zukunft säend !









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