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Der freie christliche Impuls Rudolf Steiners heute




FORUM KULTUS

Initiative Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft




Was in der Entwicklung
der Christenheit
als Sehnsucht und Streben nach
Laienpriestertum
immer wieder erstand
- allerdings auch immer wieder verfolgt
und schließlich zum Verschwinden
gebracht wurde -,
das hat hier
durch Rudolf Steiner
eine neue Keimlegung erfahren.

Maria Lehrs-Röschl, GA 265, S.42







FORUM KULTUS


Zur Freiheit
des Christenmenschen

Hinblick auf den «freien christlichen» 1) Impuls heute



Allgemeine Kirche,
gleich der Sonne,
Sammelplatz auserwählter Geister,
freigesprochen von Sinnestäuschung,
nur Wahrheit schauend ewig!
Ihre Zugänge geöffnet allen Völkern,
die ganze Menschheit segnend
und kein Wesen ausgenommen.


Bettina von Arnim






Kirche unnötig ?

Unübersehbar «ergibt sich als not-wendig, dass das christliche Freiheitselement auch dem Wesen des Kultus, dem Sakramentalismus einverleibt werden muss. Das heißt, dass zunehmend nach der Zukunft hin nicht mehr der eine (Priester) für die anderen alle das Opfer zu vollbringen haben wird, sondern dass der eine mit dem anderen gemeinschaftlich das Gleichwerden der Menschen gegenüber dem Christus, der als Sonnenwesen auf die Erde heruntergestiegen ist, erleben soll.»
(Hella Wiesberger, GA 265, S.19)
«Die Kirche kann, wenn sie sich richtig versteht, nur die eine Absicht haben, sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane, indem das ganze Leben zum Ausdruck des Übersinnlichen gemacht wird.» (Rudolf Steiner, 9.10.1918)
«Voraussetzung zu all dem ist die Spiritualisierung des Denkens. Erst davon ausgehend wird man dazu kommen können, nach und nach alle Lebensbetätigungen zu sakramentalisieren.
Dann werden sich aus der Erkenntnis der geistigen Wirklichkeiten heraus auch die alten Zeremonien ändern, weil es da, wo man Wirklichkeiten hat, keiner Symbole mehr bedarf.»
(Hella Wiesberger, GA 265, S.22)
«Alle freie Religiosität, die sich in der Zukunft innerhalb der Menschheit entwickeln wird, wird darauf beruhen, dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis, nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde. Dann wird es keinen Religionszwang geben können, dann wird es keinen Religionszwang zu geben brauchen, denn dann wird die Begegnung jedes Menschen mit jedem Menschen von vornherein eine religiöse Handlung, ein Sakrament sein, und niemand wird eine besondere Kirche, die äußere Einrichtungen auf dem physischen Plan hat, nötig haben, das religiöse Leben aufrecht zu erhalten.»
(Rudolf Steiner, 9.10. 1918) 2)



Anthroposophie als freilassender Weg

Weg dahin und Quelle dazu kann die Anthroposophie - als eine «Philosophie der Freiheit» - sein. «Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltenall führen möchte.» (Steiner, «Leitsätze») Als ein freilassender, interreligiöser Schulungs- und Erkenntnisweg führt sie zum Erwachen am (Christus im) anderen Menschen. Hier wird ein unmittelbares Anknüpfen der Bewusstseins-Seele an das Mysterium von Golgatha, an die Gegenwart der Geistigen Welt ermöglicht, aus der «moralischen Intuition» eines «ethischen Individualismus» (Rudolf Steiner, «Die Philosophie der Freiheit»).
So wird Anthroposophie «selbst Gottesdienst» (Rudolf Steiner) und kann den würdig und ernsthaft Strebenden direkt zur Verbindung mit IHM, zur «geistigen Kommunion» führen. Letztendlich mündet sie in die Verchristlichung und Sakramentalisierung des ganzen Lebens.
Anthroposophie ermöglicht Mitgliedern aller Religionen und Konfessionen einen freien, individuellen, unabhängigen, interreligiösen, unmittelbaren Weg zur Geistigen Welt und dem Christus. 3)
Sie ist auf die Freiheit und individuelle Erkenntnis des Strebenden aufgebaut 4) und lässt jedem seine Religion, seine Konfession.
Somit anerkennt sie neben den kirchlichen Wegen genauso eine freie, konfessionell unabhängige, individuell-religiöse und entsprechend kultische Gestaltung des eigenen Lebens.



Mit welchen Handlungen,

mit welchen Texten könnten aber die Konzentrationspunkte des religiösen, kultischen Lebens er- und gefasst werden, wenn eine spezielle Kirche nicht infrage kommt?
Meist wird versucht eigene Formen und Worte zu finden.
Woran aber orientieren wir uns, wenn wir uns - aus welchen Gründen auch immer - noch nicht in der Lage sehen eigene Sakramentstexte und -formen zu fassen, zu formulieren?
Dann sind wir auf gegenwärtig verfügbare Texte angewiesen.
Auf der Suche nach spirituell zeitgemäßen und vor allem überkonfessionellen, sakramentalen Handlungen sind diese Fragen auch Rudolf Steiner gestellt worden. Und er antwortete auch hier.
So besteht auf dem Weg zur spirituellen Emanzipation des Christen-Menschen die kultushistorisch bedeutsame Tat Rudolf Steiners nicht nur in der Geburtshilfe für eine «erneuerte» Kirche 5) - die segensreich und für viele wichtig und richtig war und ist 6) -, sondern vor allem in der Zukunftssaat eines «freien christlichen», überkonfessionellen, sakramentalen Impulses.



Steiner'sche Antworten

Aufgrund der vorgetragenen Anliegen und Fragen, aber natürlich auch besonders mit dem Blick auf die Notwendigkeiten der Zukunft, vermittelte Rudolf Steiner einen - allerdings bis heute nur teilweise aufgegriffenen 7) - Kreis von kirchenunabhängigen und allgemein-("laien"-) priesterlichen Sakramenten 8/9) /,
einen «spezifisch anthroposophischen» Weg 10) :
das in seiner kultischen Entwicklung weitergeführte
- Zentralsakrament 11/12)/ die «OPFERFEIER» (1923 ) 13)
den Religionslehrern 14) der Freien Waldorfschule
und den anthroposophisch-heilpädagogischen Heimen,
letztlich aber für jeden, der diese wünscht 15) ,
und hierzu
- die Sonntags-Handlungen für die Schul-Kinder (1920 16) )
- und das Sakrament «JUGENDFEIER» (Konfirmation) (1921 17) ).
- Die TAUFE (1921 18) ),
- die TRAUUNG (1922 19) ),
- und die BESTATTUNG (1919 20) )
erhielten Wilhelm Ruhtenberg 21) bzw. Hugo Schuster 22) als damit einzeln und unabhängig wirkende Anthroposophen.
Letztlich ist der GANZE ORGANISMUS des siebenfältigen Sakramenten-Kreises möglich und gegeben. 23)



Ein allgemein-priesterlicher Weg

Damit konnte Rudolf Steiner einen kultushistorisch weiterschreitenden, freien, kirchenunabhängigen, allgemein-christlichen = allgemein-("laien"-) priesterlichen Weg aufzeigen. 24)
Diese Handlungen ermöglichen uns als Christen und Anthroposophen SEINEN Auftrag «Gehet hin, und taufet...» 25) zeitgemäß und mündig aufzugreifen, in dem wir unseren danach bittenden Mitmenschen eben a u c h sakramental beistehen, ohne einer spezifischen Konfession anzugehören - als freie Christen -, allein in Seinem Namen, in Seiner Nachfolge, jedem Bruder. 26)
SEIN und unser Ja dazu, kann dann zu einem intimen Sakra-
ment, einer "Priester"-Weihe für den jeweiligen Actus werden, die der Christus selbst 27) im Innersten des demütig Strebenden, unabhängig aller Institution, vollzieht. 28)
Die Frage der Befähigung und Berechtigung zum sakramentalen Handeln ist hier nun keine mehr, die andere Menschen oder gar Institutionen beantworten können und sollen. 29)
Charakteristisch für diesen Impuls ist seine freie christliche, urchristlich-universale und so auch grundsätzlich überkonfessionelle Position und Wirksamkeit, seine Unabhängigkeit von irgendeiner Konfession. Er bindet an IHN allein und gehört damit nicht der irdischen Besitz- und Rechtssphäre irgendeiner Institution an, weil er Sein Wirkenwollen in jedem Menschen-Schicksal individuell fassen will, aus Seiner Höhe, einer Ebene, auf der die Menschen nicht mehr in Konfessionen eingeordnet werden.



Zwei Wege

Und somit können die Steiner'schen Fassungen unterschiedlichsten Perspektiven, unterschiedlichsten Bewusstseinsstufen und Menschengruppen, d.h. «verschiedenen Lebenszusammenhängen» dienen.
So sah das auch Rudolf Steiner und deshalb konnte er, als und weil er gefragt wurde, neue Sakraments-Texte problemlos
- sogar teils wortgleich (!) 30) - zwei ganz wesens- und aufgabenverschiedenen Strömungen reichen :

allgemein-priesterlich :
1. kultisch engagierten Anthroposophen
und 2. - in Verantwortung für die Schulen und Heime - der spirituell universalen Anthroposophischen Gesellschaft/ bzw.
-Bewegung, als «allgemein in die Menschheit hineingestellt» 31)
und dann, da es «Bevölkerungskreise gibt, die nicht innerhalb der anthroposophischen Bewegung stehen» 32/33)/ ,
auch kirchlich-priesterlich :
der - von Theologen und Anthroposophen mit Steiners Hilfe begründeten - Religionsgemeinschaft/Kirche «Die Christengemeinschaft».
Rudolf Steiner forderte dazu auf, es als «lehrreich» zu betrachten, dass das gleiche Ritual 34/35)/ als «Ausdruck verschiedener Lebenszusammenhänge» verwendet werden könne ! :
Denn allein der Text ist zwar mehrfach 36) gleich, alles andere aber anders! 37/38/
Während die «Schulhandlungen» in den Freien Waldorfschulen und heilpädagogischen Heimen seitdem bis heute treu gehalten wurden (allerdings seit einiger Zeit immer weniger Zuspruch finden), war es schon sehr bald fast unmöglich, die außerschulischen "freien" Sakramente - Taufe, Trauung, Bestattung - zu wählen, zu empfangen, bzw. zu spenden.



Probleme mit der «Christengemeinschaft»

Denn mit der Begründung der Kirche «Die Christengemeinschaft» entstanden unerwartete Probleme:
Innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft vermissten viele Mitglieder die Ausbildung der sozialen Mitte, des praktisch religiösen Elementes, bis zum kultischen Handeln, das ja lediglich von Schuster und Ruhtenberg kurze Zeit gehandhabt und nie als eine eigene und erst recht nicht als eine gemeinschaftsbildende Aufgabe der anthroposophischen Bewegung erkannt und ergriffen wurde.
Dann kam die Begründung einer aus der Anthroposophie heraus «erneuerten Kirche». Und nun vermeinten viele Anthroposophen endlich eine zeitgemäße, religiöse Heimat - eine/ihre "Anthroposophen-Kirche" - bekommen zu haben.
Dem widersprach Rudolf Steiner in eindringlicher Weise in einem Vortrag am 30.12.1922 :
«Die Christengemeinschaft» war als eine ganz eigenständige Kirche gerade für diejenigen gedacht, die
außerhalb der anthroposophischen Bewegung standen 39), als eine «Bewegung für religiöse Erneuerung», die zwar einen aus der spirituellen Tiefe der Anthroposophie geschöpften Kultus zu pflegen hatte, aber in jeder Hinsicht eine autonome Kirche sein sollte, für die Menschen, die gerade nicht direkt Anthroposophie suchten.
Denn «Diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft gefunden haben, brauchen keine 'religiöse Erneuerung'.» 40) Die Anthroposophische Gesellschaft ist eine «interreligiöse», geisteswissenschaftliche Forschungsstätte, eine Gemeinschaft Strebender, völlig unabhängig deren bzw. einer Religion oder christlichen Konfession. Eine spezielle Religion bzw. Kirche der Anthroposophen gibt es nicht, das ist die «Privatsache» jedes Einzelnen 41) ! "Jedem das Seine."
Die Frage wäre gewesen: Wie müsste ein «spezifisch anthroposophischer Weg» aussehen? Die Tragik war: Es gab den Weg, aber man nahm ihn in seiner Bedeutung nicht wahr...
Statt als "dritte Kraft" zwischen den Staatskirchen spirituell offenen, suchenden Menschen eine freiheitliche und esoterisch und kultisch vertiefte Alternative und Erneuerung zu bieten, rekrutierte nun die «Christengemeinschaft» ihre Mitglieder - bis heute - maßgeblich aus der Anthroposophen- und Waldorfscene, weil sie außerhalb dieser relativ erfolglos blieb... 42) Die «Christengemeinschaft» wurde dadurch faktisch zur "Anthroposophen-Kirche" 43/44)/ und für - viel zu viele - potenziell Interessierte befremdlich, exklusiv und für Außenstehende und für die Öffentlichkeit zur «Sondergemeinschaft», zur "Sekte".
Die Klarstellungen Steiners erreichten die Anthroposophen nur ungenügend (teils gar nicht) 45) und verpufften. Die Folgen der nicht ausgebildeten Mitte traten schon gleich nach Steiners Tod zutage: Die Anthroposophische Gesellschaft wurde in dramatischer Weise verdunkelt und gespaltet. 46)
Seither wurde ein freier christlicher, spezifisch anthroposophischer Weg außerhalb der «Schulhandlungen» seitens eines Großteils der Anthroposophenschaft, die nun zusätzlich Mitglieder der «Christengemeinschaft» geworden waren, und natürlich seitens der Institution «Die Christengemeinschaft», tabuisiert und bis heute relativiert und abgelehnt und vor allem wurde über ihn nicht informiert, im Gegenteil...
47/48/49/50/51) ////
So war eine Uninformiertheit gegeben, in der man als normal informierter Anthroposoph von einem freien christlichen, anthroposophisch sakramentalen Weg, von Ruhtenberg, Schuster und Geyer, von Taufe, Trauung, Bestattung an diese nichts mehr hörte und wusste.
So konnte «Die Christengemeinschaft» nun auch unangefochten den Anspruch erheben , allein für ein anthroposophisch sakramentales Handeln mit den von Rudolf Steiner erfassten Sakramentstexten zuständig zu sein; ja sogar behaupten, dass die Texte, die zuvor der freie christliche Impuls erhalten hatte, an sie, in ihren "Besitz" übergegangen seien. 53) Ein freies christliches Handeln (außerhalb der «Schulhandlungen») wurde damit als eingestellt 54), überflüssig, und dann gar als unberechtigt, destruktiv und schließlich als Sakrileg dargestellt.
Und so gibt es nun seitens der «Christengemeinschaft» (von höchster Ebene) auch kein Zugeständnis gegenüber den «freien christlichen» Anthroposophen: «Weder eine erneute Herausgabe der nunmehr 'Studienmaterial zur Kultusfrage' getauften Veröffentlichung (das Kultus-Handbuch - VDL), noch das Arbeiten daran, auf die Ebene eines Eingeweihten zu gelangen, der in der Lage wäre, eigene Kultusformulierungen zu geben, kann einer Priesterschaft zugemutet werden.» (Taco Bay, als Erzoberlenker der CG) 55)



Warum Monopolanspruch ?

Problematisch wird es also, wenn man das Handeln anderer Christenbrüder, anderer Strömungen/ Gemeinschaften nicht nur für unberechtigt erklärt, sondern sich auch für deren Sakramentstexte nicht nur zuständig, sondern auch als deren "Besitzer" betrachtet.
So verfährt die «Christengemeinschaft» gegenüber dem Impuls für ein «freies christliches», sakramentales Handeln (von und für Anthroposophen, wie er hier von uns, insbesondere mit Taufe, Trauung, Bestattung, wieder und neu aufgegriffen wurde). 56)
Was dahinter steht, ist ein Monopolanspruch 57), den man neuerdings auch öffentlich vertritt 58) und der besagt, dass allein die «Christengemeinschaft» berechtigt sei, überhaupt alle (bis auf die Schulhandlungen 59) ) von Rudolf Steiner vermittelten Sakramente auszuüben, weil ihr diese von Rudolf Steiner «übergeben», «eingestiftet» etc. worden wären und somit Besitztum der «Christengemeinschaft» seien.
Das Tragische daran: Obwohl dem von verschiedenen und gewiss auch kompetenten Seiten widersprochen wird 60), scheint diese Widersprüchlichkeit nicht nur Taktik, sondern auch (unreflektierte 61)) Überzeugung, Ausdruck eines anscheinend exklusiven Sendungsbewusstseins 62) dieses «erneuerten» Priestertums zu sein? ...
Fazit: Wie man es auch dreht, «Die Christengemeinschaft» möchte keine Konkurrenz aus anthroposophischen Reihen.



Warum?

Nicht nur weil frei christlich handelnde Anthroposophen "Nicht-Geweihte" sind, die Antwort ist dramatischer (und traumatisch) :
Ohne die "Anthroposophen- und Waldorf-Scene" (aus der fast die gesamte Mitgliedschaft stammt) würde die «Christengemeinschaft» - nach 80 Jahren immer noch eine quantitativ unbedeutende «Sondergemeinschaft» - (vor allem finanziell) nicht existieren können bzw. gar nicht mehr existieren, und deshalb «weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen Bekenner zu finden, nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe der Anthroposophen macht. Dadurch wird ein Unmögliches getan.» (Rudolf Steiner 63))
Die traditionellen Kirchen sind für die anthroposophische Scene in der Regel keine Alternative und so auch für die «Christengemeinschaft» keine Konkurrenz, aber ein kultisch und sozial sogar noch fortgeschrittener und freier, spezifisch anthroposophischer Kultus und dazu noch mit den gleichen Texten, das könnte Mitglieder abziehen und die bisherige Politik und das unter diesen Umständen entstandene Dasein existenziell infrage stellen.
Das anthroposophisch gesinnte Klientel muss sie sich also erhalten, denn außerhalb davon finden sich auch heute noch viel zu wenige Anhänger, denn dort ist man als «anthroposophische Sekte» oder «Anthroposophen-Kirche» etikettiert. Und damit sitzt man in der Zwickmühle; denn der Nichtanthroposoph, der freiheitlich strebende, ökumenisch gesinnte und esoterisch tiefer suchende Christ (den Rittelmeyer und Steiner mit der Begründung im Auge hatten) will ja nicht in eine "Sekte" = "Anthroposophen-Kirche" ...
Gerade die wollte auch Rudolf Steiner nicht: «Wenn diese Voraussetzung nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge die Bewegung für religiöse Erneuerung niemals entstanden. Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen, dass es notwendig ist, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse: dass sie bei ihrem Ausgangspunkte stehen bleiben müsse, dass sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb der Kreise der anthroposophischen Bewegung zu suchen ... dass streng darauf gesehen wird, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung nach allen Richtungen in Kreisen wirkt, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen.» (Rudolf Steiner 64))
Beide Seiten haben ihre Aufgaben nicht erfüllt ...

So versucht man ein Monopol aufrecht zu erhalten, das durch eine Jahrzehnte herrschende Uninformiertheit der Mitglieder
- der Christengemeinschaft wie der Anthroposophischen Gesellschaft - entstanden ist.
Und so darf man sich nicht wundern in den Verlautbarungen eine oftmals sehr einseitige, zweckdienliche und leider immer wieder auch irreführende, ja diffamierende und unrichtige Information zu finden, gerade dann und wenn es darum geht die "Konkurrenz" abzuwehren. 65)
Obwohl Anthroposophen als Freie Christen in der «Christengemeinschaft» keine Konkurrenz sehen («Jedem das Seine!»), sind sie es faktisch für die «Christengemeinschaft».
Eine Tragik, die hier nicht weiter vertieft werden soll... 66/67)/
Sollten und könnten wir aber nicht heute - am Beginn eines neuen Jahrtausends und nach der Veröffentlichung fast des gesamten Werkes Rudolf Steiners - nun endlich den Mut finden, die «Freiheit des Christenmenschen» ernst zu nehmen, uns über alte Vorurteile hinwegzusetzen, unsere spezifisch anthroposophische Aufgabe zu erkennen und den kultushistorisch nötigen und möglichen Schritt auch konkret ergreifen?



Freie christliche Initiativen

So antworten auf die Fragen der Mitbrüder und arbeiten seit Pfingsten 1996 68), als ein IMPULS (!!), kultisch engagierte und interessierte, kirchenunabhängige Anthroposophen 69) autonom 70) an den Fragen der inneren und äußeren Realisierung freier christlicher Sakramente, auch wenn das Interesse an Kultus-Fragen in der anthroposophischen Gesellschaft und -Bewegung zwar vermehrt auftritt, aber insgesamt noch nur ganz minimal vorhanden ist (man hat ja die «Christengemeinschaft»).
Doch die Zukunft muss heute gesät werden…
So wirken nun :
Als überkonfessionelles Forum (also nicht nur für die anthroposophische Scene, sondern für jeden Suchenden ! ) und für die Publizität der «Förderkreis FORUM FREIER CHRISTEN»;
und hierin nun speziell für die anthroposophische ( ! ) Perspektive der «Förderkreis FORUM KULTUS», als eine «Initiative für ein freies, anthroposophisch + sakramental vertieftes Christ-Sein heute».
Für eine gesicherte liturgische Verfügbarkeit und vor allem als spirituelle Trage-Schale der von Rudolf Steiner vermittelten sieben Sakramente, soll die Initiative «FREIE CHRISTLICHE ARBEITS-GEMEINSCHAFT» 71) wirken;
die anthroposophischen und kultischen Grundlagen wurden in einem «ARBEITSKREIS ZU FRAGEN ANTHROPOSOPHISCH SAKRAMENTALEN HANDELNS» erarbeitet.
Natürlich gibt es nicht nur innerhalb der anthroposophischen Bewegung kirchenunabhängige, frei christlich Interessierte und Wirkende und deshalb natürlich nicht nur die hier vertretenen Gesichtspunkte und Wege. 72)
Und so kann es auch nicht darum gehen andere auf die für uns
relevanten Fassungen und Sichten Rudolf Steiners oder auf ganz bestimmte Sakramente festlegen zu wollen, ebenso wenig darum "alle Anthroposophen" nun auf einen "freien christlichen" Weg hinzuweisen bzw. zu verpflichten.
Jede freie christliche Sakramentenspende ist sowieso grundsätzlich ein jeweils individuell und neu zu erringendes Ereignis. Entsprechend den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Einsichten der Zelebrierenden wie auch der Empfangenden muss dieser Akt immer wieder neu geschaffen werden. Es ist ein Geschehen, dem ein doktrinäres Festhalten an einzelnen Wörtern eines "einmal gegebenen Wortlautes" eines unveränderbaren Textes 73) widersprechen würde.



Zeitgemäßer Kultus

So sieht das auch Rudolf Steiner für die von ihm vermittelten «erneuerten» Sakramente:
«Nehmen Sie auch so etwas als einen Anfang hin, und wissen Sie, dass da, wo man in ehrlicher Weise einen solchen Anfang will, sich schon auch die Kräfte finden werden zur Verbesserung desjenigen, was in einem solchen Anfange gegeben werden kann. ... Es wird Ihnen aber gerade an diesem Beispiel klar sein können, wie überall eben aus dem Lebendigen heraus das Kultusartige gesucht werden muss. ... Etwas Prinzipielles kann es im Leben der Welt überhaupt nicht geben, sondern es kann nur das sich in Leben Wandelnde geben. Das darf man nicht als eine Inkonsequenz betrachten, sondern als eine Forderung des Lebens selbst.» 74)
So entsteht jedem kultisch Strebendem die Frage, ob nun, fast ein Jahrhundert später, sich nicht auch das von Rudolf Steiner in Worte gefasste, freie christliche Kultus-Wesen gemäß der sich gewandelten Zeit ebenso lebendig ge-wandelt hat, bzw. wandeln will? 75) Dann aber müsste auch seine gegenwärtig aktuelle Gestalt in «Form und Inhalt» gefunden werden. 76) Würde man die Sakramente mangels Einsicht in ihrer "alten" Form belassen, wären sie nicht mehr wahr.
Andererseits stehen wir vor dem Problem, dass ange-messene, eigene Einsichten, ER-Fassungen und Formulierungen oft noch unzureichend sind.
Bis wir so weit sind, das reale übersinnliche Geschehen des sakramentalen Aktes selbst erblicken und in Erdenworte fassen zu können, dürfen wir dankbar auf die Gabe konkret formulierter Texte eines Eingeweihten, auf die Fassungen Rudolf Steiners, blicken.
Dem kultisch Sensiblen wird bald spürbar, dass den Texten Rudolf Steiners eine Wesens-Wirklichkeit, eine Wahrheit, eine objektive Realität innewohnt, die einer übersinnlichen und klaren Erkenntnis dieses Kultus-Geschehens entspringen muss. «Es ist jedes Wort abgewogen, nicht nur so weit, dass es als Wort da steht, sondern es steht auch jedes Wort an seinem richtigen Orte und im richtigen Verhältnis zum anderen Worte.» 77) Denn dasjenige, was der Kultushandelnde «hier tut, .. seinen Kultus verrichtet, das hat sein Ursprungsbild in der anstoßenden übersinnlichen Welt, wo, während wir hier .. den irdischen Kultus verrichten, der himmlische Kultus verrichtet wird von der anderen Seite, von den Wesenheiten der anderen Seite des Daseins ... Nur dann ist ein Kultus eine Wahrheit, wenn er diesen realen Ursprung hat.» 78)
Diesen hat er durch die Realität Seiner An-Wesenheit in der aktuellen Kultushandlung. Diese ist ein Kind Seiner Gegenwart. Nicht abstrakte "ewig gültige Gesetze", sondern die am momentanen Geschehen beteiligten Menschen, die tatsächlich vorhandenen Impulse, Fragen, Bedürfnisse und Möglichkeiten 79) mussten und müssen ins Auge gefasst werden. Das tat auch Rudolf Steiner und deshalb gab er immer zeitgemäße Antworten.
Somit bleiben sie immer "Zwischenstation".
Sie sind Ausgangspunkt für den grundsätzlich notwendigen, unvermeidbaren Schritt: unser Nachtasten der Evolution des Sakramentalen, das Erlauschen und Finden der gegenwärtig adäquaten Wortgestalt des entsprechenden Sakramentes. Dann ist auch nötigenfalls ein dementsprechendes Individualisieren, Aktualisieren des Wort-Spiegels des Sakramentes möglich. Der Christus will immer zeitgemäß, individuell fruchtbar, wirkungsvoll und vor allem in Liebe wirken. Ein entsprechendes Streben wird Er inspirieren, begleiten und durchdringen!
Unvermeidbar bleibt also die Forderung mit diesen Worten meditativ, innerlichst, in aller Demut umzugehen und die Worte, der in einer bestimmten historischen und konkreten Situation geformten Sakramente, immer wieder aktuell zu ER-fassen, so schwierig dies auch sein mag. 80)
Aber vielleicht zeigt sich dann doch auch eine Zeitlosigkeit des sakramentalen Geschehens (das mit einem viel längerem Atem wirkt als unsere kurzatmige Zeit), das, in der Fassung Rudolf Steiners auch heute noch, nur an ganz wenigen Stellen anzugleichen wäre.



Zur Verfügung stellen

In jeder Hinsicht sind daher für die kultische Arbeit die nun im Kultus-Handbuch «Die Sakramente» zusammengestellten, originalen Sakraments-Texte Rudolf Steiners ein hohes, unschätzbar wertvolles und deshalb zu schützendes Gut.
Weil dieses dem suchenden Menschen nicht vorenthalten werden darf, hat auch die Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung bisher alle Sakraments-Texte veröffentlicht. Dennoch ist ihr Schutz möglich. Er liegt - zeitgemäß - nicht mehr in der Zurückhaltung der gedruckten Texte, sondern im nötigen Schwellenübertritt: in der Verwirklichungs- und Wandlungskraft der Handlung selbst als Gemeinschaftstat, im Offenbarwerden Seiner Anwesenheit, im ER-leben der Vereinigung mit Ihm, letztlich in Seiner Gnade. Wem der Durchbruch zu dieser Realitätsebene nicht gelingt, dem bleibt auch der Text und selbst die Handlung nur unwirksamer und unverständlicher "Schall und Rauch", und, missbräuchlich benutzt, schädlich. 81) ER wird sich also weiterhin nur dem demütig Strebenden, Wahrhaftigen, Würdigen enthüllen! Der Geist dieser Kultushandlungen schützt so sich selbst.



Christen-Gemeinschaft ? !

«Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin JCh mitten unter ihnen.» 82)
Gerade die Sakramente entstehen und leben aus der lebendig gelebten Christus- und Christen-Gemeinschaft, sodass Hoffnung auf Seinen Beistand bestehen darf.

Trotz aller individuellen Verantwortung stellt sich die Frage, ob nicht auch dieser freie und letztlich jeder christliche Kultus eine Kultus-Trage- und Verantwortungs-Gemeinschaft braucht, die diesem Kultusimpuls einen geschützten Raum und Ihm eine besonders vorbereitete, qualifizierte, verlässliche Schale bietet, die zum Konzentrations- und Kraftort auf dem gemeinsamen Weg Ihm entgegen wird? 83)
Auch hier wird es um zeitgemäße Impulse gehen und auch hier können wir Rat von Rudolf Steiner bekommen. 84)
Mit der Initiative «Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft» versuchen wir diese Schale, diesen Schutz-Raum zu ERbilden, so weit der Weg dahin auch noch ist...
Es kann ohne Weiteres viele verschiedene solcher Räume geben, entsprechend der individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Tragenden. Denn es geht ja gerade nicht um eine zentrale Struktur, gar um eine "neue Kirche", ein "Kontroll- und Machtzentrum", "neue personelle oder institutionelle Hierarchien" 85), sondern um jeweils individuell aber brüderlich geprägte, autonome, dezentrale, freie Such-, Schul- und TAT-GEMEINSCHAFTEN, die ggf. in einem NETZWERK gleichberechtigte und eigentlich auch dreigegliederte 86) Wahrnehmungs- und Verwirklichungsforen bilden: Anthroposophen, die auf die Not, die Nachfragen ihrer Mitbrüder antworten.

Und damit stehen wir vor den Forderungen der Freiheit. Ob und was und wie etwas geschieht, liegt ganz bei Ihnen. Die geistige Welt wartet auf unsere freie Tat. «Aus dem Ernst der Zeit muss geboren werden der Mut zur Tat.» (Steiner)
Natürlich kommt es für einen freien christlichen Impuls nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an.



Weihe ?

Suchen wir einen Wurzelgrund und einen Manifestationsakt für ein brüderliches/schwesterliches, christliches, sakramentales Engagement, verweist uns der Organismus der Sieben Sakramente beide Male auf das Sakrament der Weihe.
Was ist, wie entsteht die «Weihe» für den freien Christen heute, der kirchenunabhängig, allgemein-priesterlich und doch sakramental berechtigt 87) handelt?
Unsere Aufgaben und Möglichkeiten reichen heute tiefer und weiter.
Somit wird sich auch das ändern, was bisher dazu berechtigte.
Die alte Amts-Priester-Weihe als gleichzeitiger Anknüpfungsort der Einbindung in das hierarchische Zwei-Stände-Prinzip kann hierbei keine Grundlage sein.
Die zukunftsweisende Weihe wird eine pfingstliche Weihe sein 88), ein herunterflammendes Tat-Sakrament, ein Sakrament der «Verbindung», in dem Er sich meiner Tat verbindet, weil ich Seinen Willen «gehet hin und taufet...» ausführe und Ihm als Werkzeug verbindlich zur Verfügung stehe.
Sie ist vielleicht auch dasjenige, was in der mündig ergriffenen «Erwachsenen-Taufe» lag und liegen wird. ... 89)

Werden wir um einen sakramentalen Dienst gebeten, sehen wir uns in der Ver-antwort-ung, zu handeln!
«Was Ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan.» 90)
Eine freie christliche Weihe muss sich immer ganz individuell aus der Zwiesprache mit IHM ergeben und kann niemals von außen dekretiert werden. 91)
Erst wenn sie öffentlich gemacht und wenn sie auch zur Aufnahme in eine bestimmte (Kultustrage-)Gemeinschaft führen soll, ergibt sich die Frage nach einem dies schildernden Text und der entsprechenden Liturgie. Diese Bedürfnisse sind bisher nicht aufgetaucht.
( Der Frage der Weihe wird ausführlicher im Informationsbuch im Kap. «Nur mit Weihe?» nachgegangen!)

Weiterhin stellt sich die Frage, wo neben dem liturgischen, kultischen Dienst der seelsorgerische und soziale Einsatz bleibt, die Liebe und Fürsorge füreinander 92); denn auch diese Aufgaben gibt ER uns.
Aber das ist noch nicht alles. Neben der Sorge für/um den Mitmenschen, kommt die für die ganze Schöpfung = Welt/ Umwelt; und so wird Christ-Sein letztlich auch politisch; Christ-Sein umfasst alle Lebensbereiche...
Trotz alledem: Wie sich Christ-Sein und insbesondere ein freies christliches, sakramentales Handeln jeweils individuell und konkret gestaltet, wie es erarbeitet und wie es angeboten wird, kann nicht an dieser Stelle beschrieben oder gar vorgeschrieben werden, das können und müssen allein die Betroffenen individuell und in aller Freiheit und selbst erlauschen, erbitten, bestimmen, in innerer Zwiesprache mit IHM.
Aber auch die konkrete Nachfrage wird das Angebot regeln 93).
Gott offenbart sich in einer Vielfalt, die er sich nicht durch die Dogmatik irgendeiner speziellen Gemeinschaft einschränken lassen wird.

Wir können Ihm überall begegnen. 94)
Jedem das Seine, an seinem Platz, auf seinem Kreuzweg, in der Liebe zum - vielleicht auch ganz anderen - Weg des DU.



Weiter ?

Gerade die verschiedenen und leider kontrovers zueinander stehenden Möglichkeiten christlichen, sakramentalen Handelns harren einer intensiven Erarbeitung, verlangen größte Freiheit, Toleranz und Sensibilität und verweigern sich dogmatischer Behandlung.
Mit der Herausgabe der Zusammenstellung der "freien christlichen" Sakramente und mit der Begründung verschiedener Arbeitskreise ist die Thematik natürlich noch lange nicht abgeschlossen. 95)
Da nun alle Sakramente in der freien christlichen Fassung Rudolf Steiners jedem Ihm Nachstrebenden verfügbar sind, wartet nun «der Mut zur Tat», um auch für die kultische Praxis einen spirituell tiefen und überkonfessionellen, freiheitlichen, pfingstlichen Weg allgemein zu ermöglichen und zu etablieren...
Wartet ER auf Sie . . . ?

Momentan stößt dieser Impuls innerhalb - vor allem der traditionellen, konservativen Kreise – der Anthroposophischen Gesellschaft (erwartungsgemäß?) auf kein nennenswertes Echo... 96)
Doch das allgemeine Mensch=Priester-Sein wird früher oder später als allgemeine Zeit-Forderung einer sich weiterentwickelnden Christenheit so oder so vor uns stehen, und auf der anderen Seite eine immer größere und dramatische, spirituelle Verdunklung, Verirrung, Vereinsamung und Not... Wir stehen in der Pflicht...
Nachkirchliches Christ-Sein ?
So not-wendig "die heilende Arznei, das Sakrament" auch ist, wenn wir aber heute nicht wach werden und handeln,
nicht Freiheit säen auch im christlichen, sakramentalen Wirken, nicht unsere Verantwortung aufgreifen,
wird morgen keine Ernte möglich...
Die Zukunft beginnt heute.

Dass dabei die «Opferfeier» - wie auch alle Liturgie - nur Zwischenstation, Krücke hin zu einer Durchchristung,
zu einer Sakramentalisierung des gesamten Lebens, in der Nachfolge Christi sein kann, ist deutlich;
indem wir das Geistige in Allem sehen:

«Hebt auf den Stein und ihr werdet mich darin finden!»
Thomas-Evangelium, Log. 77-79
und vor allem im Versuch die Liebe zu leben:
«Denn bin ich ohne die Liebe, so bin ich Nichts...» 1.Kor.13
«Gott ist die Liebe - und wer in der Liebe ist,
der ist in Gott und Gott in ihm!» 1.Joh.4,16

Wenn wir Christi Liebes-Wollen aufgreifen,
wird sich die Welt verwandeln.
Wir werden zu heilend Wandelnden ...
aus einer Kraft einer Christen-Gemeinschaft,
die nicht mehr den "allein handlungsberechtigten" Priester,
die wegweisende Vaterfigur, den Amts-Hirten braucht,
weil wir dann Brüder, Diener, Werkzeug, Jünger Christi
und damit Priester füreinander und für die ganze Welt werden.
Frucht für eine notleidende Welt
und Same für eine lichte Neue Welt,
die kommen muss...
Dann ergreifen wir unsere Zukunfts-Bestimmung:
in und aus Freiheit Teil und Werkzeug
Seines All-umfassenden Werkes zu sein.

Wollen wir Sein In- und ÜberAlles in eine Liturgie fassen
und dabei uns mit unseren individuellen Möglichkeiten, Aufgaben, Bedürfnissen einbringen, dann müssen diese Formen dem entsprechen;
ansonsten sind sie weniger wahr und wirksam und berechtigt.
Darauf verweist letztlich Rudolf Steiner mit dem Hinweis auch die Opferfeier in Form und Inhalt fortzusetzen.

Wir wollen das uns Mögliche dazu beitragen...

« ... bald naht die Nacht. »
Dem Vergangenen: Dank,
dem Kommenden: Ja!

Dag Hammarskjöld


Hoffen wir,
dass trotz aller Schwachheit und Unzulänglichkeit
dennoch ER hinter uns stehe,
wenn unser Schicksal uns aufruft,
dereinst dem Du
mutig und mit Gottvertrauen
auch sakramental beizustehen ...
«Gehet hin ... JCh bin bei euch alle Tage !»

Volker David Lambertz - Förderkreis Forum Kultus
Bodensee, Michaeli 2013







Fortsetzung in Form und Inhalt ... !

« ... Als wir nach der Delegiertentagung (1923) die Arbeitsgruppe der Freien Gesellschaft aufbauten und gleichzeitig die Christengemeinschaft ihre Arbeit begann, kam es in unserem Mitarbeiterkreis zu einem Gespräch über unsere Aufgaben und unsere Arbeitsweise. Von einigen wurde festgestellt, dass die Christengemeinschaft es mit ihrer Arbeit leichter habe, da sie eine Kultus besitze, wir dagegen nur die Möglichkeit hätten, durch das Wort zu wirken. Man fragte sich, ob es wohl denkbar sei, dass für die Gesellschaft auch einmal ein Kultisches gegeben werden könnte. Die Meinungen waren geteilt. Ich wandte mich darauf mit dieser Frage an Dr. Steiner selbst. Er erklärte, dass dies wohl denkbar sei. So habe es vor dem Kriege ja auch die Esoterische Schule gegeben. In der Zukunft werde das (was damals noch in Anlehnung an die Theosophische Gesellschaft entstanden war) in anderer Gestalt gegeben werden. Es käme auch nicht die Form der Christengemeinschaft in Frage. Er charakterisierte darauf, wie auch später in Dornach (30.12.1922, GA 219), die andersartigen Grundlagen von Anthroposophie und Christengemeinschaft.

Eine kultische Arbeit
in der anthroposophischen Bewegung
muss aus dem selben geistigen Strom hervorgehen
wie die Schulhandlungen,
gewissermaßen eine Fortsetzung dessen,
was in Form und Inhalt
in der Opferfeier gegeben war ... »

René Maikowski
in einem Brief an Gotthard Starke vom 29.8.1983 (Auszug), s.a. GA 269, S.133
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Nachweise - Hinweise - Anregungen



1) ... «frei christlich», «allgemein-christlich» wird hier begrifflich mit «laien-priesterlich» und «allgemein-priesterlich» gleichgesetzt, d.h. einem berechtigten und wirkungsvollen, sakramentalen, urchristlichen Handeln durch "Nicht-Geweihte", also Christen ohne traditionelle, kirchlich erteilte (Amts-) «Priester-Weihe», so wie es schon Luther postulierte.
2) ... «Der Christus hat einmal gesagt: 'Ich bin bei euch bis ans Ende der Erdentage'. Und er ist nicht bloß als ein Toter, er ist als ein Lebender unter uns, und er offenbart sich immer. Und nur diejenigen, die so kurzsichtig sind, dass sie sich vor dieser Offenbarung fürchten, sagen, man solle bei dem bleiben, was immer gegolten hat. Diejenigen aber, die nicht feige sind, wissen, dass der Christus sich immer offenbart.» Rudolf Steiner, GA 169/2, S.44.«Der nur hat die wahre Meinung von dem Christentum, der durchdrungen ist von der Überzeugung, dass alle Kirchen, die den Christus-Gedanken gepflegt haben, alle äußeren Gedanken, alle äußeren Formen zeitlich und daher vorübergehend sind, dass aber der Christus-Gedanke sich in immer neuen Formen hereinleben wird in die Herzen und Seelen der Menschen in der Zukunft, so wenig diese neuen Formen sich auch heute zeigen.» Rudolf Steiner, 13.10.1911, GA 131.«...die Menschheit ist gegenwärtig auf einer Entwicklungsstufe angelangt, auf der ein großer Teil von ihr alle Religion verlieren würde, wenn die ihr zu-grunde liegenden, höheren Wahrheiten nicht auch in einer Form verkündigt würden, so dass auch das schärfste Nachdenken sie als gültig ansehen kann. Die Religionen sind wahr, aber die Zeit ist für viele Menschen vorüber, in der Begreifen durch den bloßen Glauben möglich war. Wenn die den religiösen Vorstellungen zugrunde liegenden Weisheiten nicht in einer dem vollkommenen Denken standhaltenden Form in der Öffentlichkeit verkündet würden, so müssten alsbald der völlige Zweifel und Unglaube gegenüber der unsichtbaren Welt hereinbrechen. Und eine Zeit, in der das der Fall wäre, wäre trotz aller materiellen Kultur eine Zeit, schlimmer als eine solche der Barbarei.» Rudolf Steiner, 14.8.1906, GA 34, S.273f.
3) ... «Anthroposophie als Wissenschaft vom Übersinnlichen und die Anthroposophische Gesellschaft als deren Gemeinschaftsträger sollten nicht an ein bestimmtes Religionsbekenntnis gebunden sein, da die Anthroposophie ihrem Wesen nach interreligiös ist. (Es gibt Anthroposophen aus allen Religionen.) Auch ihre zentralste Erkenntnis, die Erkenntnis von der Bedeutung des Christus-Geistes für die Menschheits- und Erdenentwicklung, beruht nicht auf derjenigen der christlichen Konfessionen, sondern auf der Einweihungswissenschaft, aus der alle Religionen einmal hervorgegangen sind. In diesem Sinne charakterisiert er (Steiner) es einmal als einen 'Grundnerv' der geisteswissenschaftlichen Forschungsaufgaben, den allen Religionen gemeinsamen übersinnlichen Wahrheitsgehalt herauszuarbeiten und dadurch 'gegenseitiges Verständnis der einzelnen aus den Initiationen hervorgehenden religiösen Strömungen über die Erde zu bringen' (Rudolf Steiner, 23.4.1912, GA 133, S.61ff.). Daraus ergibt sich als logische Folge, dass von der Anthroposophie her gesehen praktische Religionsausübung innerhalb einer Konfession Privatsache des Einzelnen sein muss. Das findet sich auch in den Statuten der Gesellschaft von Anfang an ausgedrückt.» Hella Wiesberger, GA 265, S.14.
4) ... Das Prinzip Rudolf Steiners (als Geisteslehrer) dazu: «Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, dass durch dich in keines Menschen freien Willensentschluss eingegriffen wird.» Rudolf Steiner, GA 10, S.22.
5) ... Die 1922 nach Rudolf Steiners Ratschlägen mit insbesondere Friedrich Rittelmeyer (als deren ersten «Erzoberlenker») begründete «Die Christengemeinschaft», siehe GA 342-345.
Die CG versuchte (evangelische) Freiheit und (katholische) Sakramentalität in einer «erneuerten Kirche» zu vereinen und durch die Anthroposophie zu vertiefen. Sie behielt aber trotz der Fortschritte der Lehrfreiheit der Priester (in den Grenzen der eigenen CG-Weltanschauung) und der Frauenordination, doch das "Zwei-Stände-Prinzip" ( = allein der kirchlich, amtspriesterlich Geweihte, nicht der allgemein-priesterlich Handelnde als "Laie", ist zum sakramentalen Vollzug berechtigt) bei und unterstellte den Pfarrer innerhalb ihrer Kirchenordnung einer Hierarchie. Siehe dazu auch Fußnoten 31/37/39.
6) ... Und sie wird es auch noch lange bleiben, so lange, wie es erforderlich sein wird, auch «denjenigen Menschen etwas zu geben, die zunächst - man muss da die historisch gegebene Notwendigkeit ins Auge fassen - nicht in der Lage sind, unmittelbar den Gang zur anthroposophischen Bewegung anzutreten.» Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
7) ... Siehe Fußnote 23.
8) ... Dass diese Sakramente eindeutig der allgemein("laien")-priesterlichen Ebene angehören, zeigt sich schon daran, dass sie Nichtgeweihten ("Laien") zum vollgültigen Vollzug gegeben wurden. Zum geistlichen Stand der sakramental Handelnden siehe Fußnoten 14/21/22, zu Ruhtenberg, Schuster und den Religionslehrern.
9) ... Weil die Siebenheit der Sakramente (wie sie auch Rudolf Steiner vermittelte) eine Einheit bildet, werden hier die zeitlich getrennt gegebenen allgemein-priesterlichen Sakramente - einerseits das Zentralsakrament «Opferfeier», andererseits Taufe, Trauung, etc. - zusammen behandelt.
Seine religionssoziologische Vorreiter-Rolle zeigt dieser Impuls gerade darin, dass er zwar als Einheit aber doch individuell, aus Mündigkeit und Freiheit Fragenden, gegeben wurde. Siehe im Text unten Zitat «lehrreich...» : ein und derselbe Text für verschiedene Lebenszusammenhänge! Siehe Fußnote 24, zur Siebenheit: Fußnote 23.
10) ... "Spezifisch anthroposophisch" meint hier den in der «Philosophie der Freiheit» vorgegebenen Weg, aus der «moralischen Intuition» eines «ethischen Individualismus»; und der ist ein überkonfessioneller, institutionell unabhängiger, individueller, religiös mündiger, nur der geistigen Welt gegenüber verantworteter Weg, der nicht von irgendeiner Zertifizierung durch eine Kirchen-Hierarchie bestimmt werden kann; so wie das auch für die Anthroposophie als solche gilt.
«Denn diese Bewegung für christliche Erneuerung ist nicht aus der Anthroposophie herausgewachsen. Sie hat ihren Ursprung bei Persönlichkeiten genommen, die vom Erleben im Christentum heraus, nicht vom Erleben in der Anthroposophie heraus einen neuen religiösen Weg suchten. ... Aber sie suchten nicht den anthroposophischen Weg, sie suchten einen spezifisch religiösen.» Rudolf Steiner, 5.10.1924, Nachrichtenblatt für die Mitglieder, in GA 260a, S. 397.
11) ... Der Mittelpunkt der Sakramente - die so genannte "Messe" als Zentralsakrament - beinhaltet - so wie die «Opferfeier» auch - die typischen vier Teile: Evangelium, Opferung, Wandlung, Kommunion. Die «Opferfeier» ist zwar eine weitergeführte, aber vollgültige "Messe", ein eucharistisches Altarsakrament (wenn auch nicht mehr über den "Umweg" der Substanzen sondern «direkt» siehe Fußnote 37 ). «Sie steht an der Spitze der Hierarchie aus zwei Gründen. Erstens, weil sie die Kraft des ganzen Christus selbst enthält; zweitens, weil alle übrigen Sakramente auf sie zu- und hingeordnet sind.» Alexandre Ganoczy, «Einführung in die katholische Sakramentlehre».
12) ... Zum ersten Mal am 25.3.1923 in der Stuttgarter Waldorfschule gefeiert.
13) ... «...zusammengeschaut, machen klar, wo die Opferfeier auf der Linie historischer Entwicklung einzureihen ist: nicht vor, sondern nach der Messe mit Brot und Wein.» Maria Lehrs-Röschl, GA 269 (1997), S.128.
Denn auch die «Menschenweihehandlung» der CG gehört zum Typ der "alten", «indirekten» Messeform (mit Brot und Wein). Auch der Hinweis Rudolf Steiners, dass die Opferfeier «nicht priesterlich» zu halten sei, bedeutet nicht, dass diese "weniger" ist, weil "nur Laien-Handlung", sondern es soll gerade das "Alte", nämlich priesterliche, das "Zwei-Stände-/Kleriker-Laien-Prinzip", das "Von oben nach unten" hier keine Rolle mehr spielen; hier wird gerade nicht hierarchisch-"priesterlich" sondern brüderlich, direkt-urchristlich gehandelt. Und auf die Einwendung, es könne in jeder Kulturepoche jeweils nur ein gültiger Kultus - und zwar auch nur vom einem Eingeweihten – heruntergeholt werden und der sei mit der CG, d.h. deren Menschenweihehandlung gegeben, sei darauf hingewiesen, dass Rudolf Steiner die Opferfeier nach der Menschenweihehandlung inaugurierte. (Verfällt deshalb die Gültigkeit der Menschenweihehandlung?!) Auch im Hinblick auf die Zukunft verwies er sogar auf die notwendige Fortbildung der Opferfeier (! = noch weitere Formen, die, wenn wir sie auszuarbeiten haben, auch nicht von einem Eingeweihten stammen); siehe unten Fußnote 15.
14) ... Ganz deutlich ist der "laien"-priesterliche Stand bei den Handlungshaltenden in den Waldorfschulen etc., die das - sogar fortgeschrittenere- Zentralsakrament «Opferfeier» berechtigt und wirkungsvoll zelebrieren: Sie sind als Lehrer alle nichtgeweihte «Laien» ! Die Wirkensmöglichkeit bezieht der hier Strebende aus seinem Anthroposoph-Sein und SEINEM Ja. Gehalten werden die Handlungen daher «exterritorial» im Auftrag der Anthroposophischen Gesellschaft und nicht der Waldorfschule selbst. Ihre "Anerkennung" als Religionslehrer und Handlungshaltende für die Waldorfschule erhalten sie vom «Überregionalen Religionslehrerkollegium». Die Entscheidung dazu fällen in der Regel die Religionslehrer der betreffenden Schule selbst in ihrer Runde und bringen diese "Dornach" zur Kenntnis. Dies ist keine "Weihe", sondern es sind organisatorische(!) Maßnahmen, die niemanden in einen geistlich oder sozial anderen oder höheren Stand erheben.
15) ... «Maria Röschl-Lehrs berichtet, wie nach dem ersten Vollzug dieser Handlung Lehrerkollegen darum ersuchten, die Feier für die Lehrer allein zu wiederholen. Da die Ausführenden der Handlung zu der Auffassung neigten, die Handlung solle nur für Schüler unter Teilnahme von Lehrern und Eltern stattfinden, sei sie gebeten worden, Rudolf Steiner darüber zu befragen: «Ich fragte ihn in einer Formulierung, die bereits zeigte, ich sei der Meinung, es gehe nicht an, die Opferfeier anders als für Schüler zu halten. Rudolf Steiner aber blickte mich mit weit geöffneten Augen an - ich kannte diese Geste als seinen Ausdruck überraschten, leicht missbilligenden Erstaunens - und sagte: <Warum nicht? Diese Handlung kann überall gehalten werden, wo Menschen sind, die sie wünschen!> »
Hella Wiesberger in GA 269 (1997), S.125. «Eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung muss aus dem selben geistigen Strom hervorgehen wie die Schulhandlungen, gewissermaßen eine Fortsetzung (!) dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war...». Rudolf Steiner zu René Maikowski, GA 269, S.133.
16) ... Die erste Sonntags-Handlung fand am 1.2.1920 in der Stuttgarter Waldorfschule statt.
17) ... Erstmalig Palmsonntag 1921 in der Stuttgarter Waldorfschule gehalten.
18) ... An Ruhtenberg, siehe auch GA 265 (1987), S.36.
19) ... An Ruhtenberg, lt. GA 345 (1994), S.73.
20) ... An Hugo Schuster, erstmals vollzog er die Bestattungshandlung am 14.1. 1919 für Marie Leyh auf dem Arlesheimer Friedhof. Siehe GA 265 [1987], S.491.
21) ... Wilhelm Ruhtenberg war «Laie», nämlich ausschließlich Waldorflehrer, als er von Steiner Taufe und Trauung erhielt. Den gleichen geistlichen Stand besaß er übrigens auch, als er zuvor Pastor der Evangelischen Kirche war: Diese kennt nämlich keine Priester-Weihe, sondern nur eine Amtseinführung namens «Ordination». Geistlich steht dort der Pastor auf derselben Ebene wie alle anderen Kirchenmitglieder. Selbst als amtierender Pastor wäre er aber auch nicht mehr als alle anderen berechtigt gewesen - anthroposophisch begründete - Sakramente zu erteilen. Als er später - nachdem er die freien christlichen Sakramente bereits erhalten hatte - doch noch konvertierte und sich zum Priester der CG weihen ließ, erklärte Steiner dies zu seiner «Privatangelegenheit»(!): «Der Pastor Ruhtenberg muss, wenn er hier (als freier christlich Handelnder, VDL) ist, vollständig vergessen, dass er Priester ist.» Rudolf Steiner, 9.12.1922, «Zur religiösen Erziehung, Wortlaute Rudolf Steiners...», (1997), S.175.
22) ... Schuster war "Priester" der christkatholischen Kirche. Die freien christlichen Rituale erhielt er jedoch von Steiner, weil er als kultisch engagierter Anthroposoph für Anthroposophen danach fragte, nicht weil er berechtigt war als Pfarrer der Christkatholischen Kirche christkatholische Sakramente an Christkatholiken zu erteilen; wie sowieso dessen "alte" (katholische) Weihe für die «erneuerten Sakramente» keine Handlungsberechtigung mehr darbot. (Siehe Rudolf Steiner, 4.10. 1921, Nachmittag, GA 343 [1993], S.350.) Selbst die CG erkennt die christkatholische Weihe für diese/ "ihre" Sakramente nicht an; ...es sei denn, es gilt frei christlich Handelnde - also "Nicht-Geweihte" - vom sakramentalen Handeln abzuhalten; dann wird plötzlich argumentiert, dass Schuster nur als (christkatholisch!!) "Geweihter" berechtigt gewesen war diese (laienpriesterlichen!) Sakramente zu vollziehen, ja sogar Ruhtenbergs ehemalige «Ordination» (die ja gar keine Weihe darstellt) wird dann zur "Weihe". Siehe z.B. Kacer-Bock im «Goetheanum», 10/97. Sogar die «Bestattung» (die Schuster von Steiner erhielt) wird nur dem CG-Priester zugestanden, obwohl sie als der nicht-sakramentale Teil («Sakramentale») des dreiteiligen Sterberituals gar kein "Sakrament" ist (die «Letzte Ölung» ist das Sakrament) und deswegen sowieso - in allen Kirchen außer der CG - zum Vollzug gar keinen "geweihten" Priester braucht... Also: Geht es der CG um die "Weihe" oder um ihr Monopol ? Siehe Kap. «Nur mit Weihe?», Informationsbuch.
23) ... Da Ruhtenberg bald konvertierte, Schuster starb und dann das Engagement für freie Sakramente ausblieb, fehlten zur Siebenfältigkeit dann scheinbar vor allem Beichte und Weihe.
Der Organismus der Siebenheit der Sakramente verlangt nach seiner harmonischen Wesens-Ganzheit. Heute werden die Fragen nach der Sieben-Einheit auch für das laienpriesterliche, freie christliche Handeln wieder gestellt und (u.a. von der FCAG) auch gehandhabt. Siehe Kultushandbuch.
Die Antwort ergibt sich einerseits noch aus Rudolf Steiners Handhabung, indem er gleiche Texte an unterschiedliche Strömungen gab. Wer was zuerst erhalten hat, spielt dabei keine Rolle. Da die CG auch Texte, die zuerst für den laien-priesterlichen Impuls bestimmt waren, erhielt, ist prinzipiell, unter dem Gesichtspunkt der Möglichkeit gleicher Texte (als «Ausdruck verschiedener Lebenszusammenhänge», Steiner), auch umgekehrt die Ergänzung des allgemein-priesterlichen Stromes durch die erst später im «Christlich-religiösen Kurs» ( GA 343-345, an dem auch die freien christlichen Religionslehrer teilnahmen!! ) offenbarten Texte berechtigt; das betrifft: Letzte Ölung, Lebensschau ("Beichte") und, wenn es öffentlich gemacht werden soll, das neu zu fassende Sakrament der «Verbindung» = als textlich gefasste «Weihe» (s. Informationsbuch, Kap. «Nur mit Weihe?») (als eine Art "Erwachsenen-Taufe" !?), die ja als "Weihe" im «freien christlichen» Kultus als eine im jeweils sakramentalen Handeln aktuell gegebene ist.
Andererseits ist diese Anleihe nicht nötig, denn die Letzte Ölung gehört zur Dreiheit des Sterberituals, das ja zuallererst «frei christlich» gegeben wurde; die «Lebensschau» kann von Anthroposophen auch untereinander gespendet werden (siehe Steiner, 16.7.1914, siehe Kultushandbuch) und die "Weihe" ist frei christlich sowieso eine andere und vor allem individuelle. Siehe dazu Fußnote 28. Somit ist die Siebenheit auch unabhängig zur CG im und aus dem «freien christlichen» Strom selbst aufgreifbar, trotz "gleicher Texte". Siehe auch Fußnote 34.
24) ... Dass diese Sakramente an verschiedene Menschen/Institutionen gegeben wurden, ändert nichts an deren spirituellen Verwandtschaft, nichts an deren gemeinsamer Ebene und Zusammengehörigkeit. Dass sie nicht zusammengebracht werden konnten, liegt daran, dass die Waldorfschule (die das Zentralsakrament «Opferfeier», etc. erhielt) keine Kultus- sondern eine pädagogische Gemeinschaft, eine Schulgemeinschaft war und ist. Kultus wird hier von religiösen Gemeinschaften von außen herein getragen; wie ja auch die «freien christlichen Schulhandlungen» exterritorial und offiziell von der Anthroposophischen Gesellschaft verantwortet und gehalten werden. Taufe, Trauung, Bestattung erhielten einzelne Anthroposophen, die damit nicht in der religiös neutralen Schule missionieren gehen sollten und wollten, und die, tragischerweise, in der Anthroposophischen Gesellschaft keinen Widerhall fanden; in der ja bis heute die Hausaufgabe Kultus zu erbilden offiziell nicht aufgegriffen wird . Siehe die Behandlung der Problematik weiter unten.
25) ... Matth. 28,19-20.
26) ... Siehe Informationsbuch, Kap. «Nur mit Weihe?» !
Wir stehen damit vor einer immensen Aufgabe, die Christusbegegnung miteinander und die Qualität der Handlung jeweils so zu finden, dass ER sich wirk-lich damit verbinden kann. Denn natürlich kann nicht jedermann "mir nichts, dir nichts" Sakramente wirkungsvoll handhaben!! Das wird - in der Regel - ein langer Weg, ein intensives ER-Arbeiten und Schicksalswollen sein. Siehe die Sekundärliteratur zum Schulungsweg, u.a. zusammengefasst bei: Paul Eugen Schiller, «Der anthroposophische Schulungsweg», Dornach, Verlag am Goetheanum.
Selbstverständlich kann ein freies christliches «"Laien"-Priestertum» nicht auf Laien-haftigkeit beruhen. («Laie» meint theologisch nicht den Dilettanten, sondern den "Nichtgeweihten", das «allgemeine Priestertum aller Christen», d.h. die geistlich brüderliche Gleichheit, die prinzipielle Berechtigung jedes Christen seinem Mitmenschen auch sakramental beizustehen.)
«Frei» wird hier im Sinne der «moralischen Intuition» eines «ethischen Individualismus» entsprechend der «Philosophie der Freiheit» (Rudolf Steiners) verstanden, derjenige der aus freier Schicksalseinsicht in das göttliche Wollen selbstlos Verantwortung übernimmt ...
Schwarze Schafe ("Wölfe im Schafsfell") und Unfähigkeiten einzelner können dabei nicht als Vorwand zur Verhinderung allgemeiner, christlicher Mündigkeit und Berufung dienen. (Schwarze Schafe gibt es auch - nicht wenige! - in allen Kirchen ...auch die CG reglementiert und suspendiert immer wieder - nicht grundlos - Priester!) «An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!»
27) ... Ob die Begegnung mit der Geistigen Welt immer auf höchster Ebene "mit dem Christus selbst " stattfindet kann nur durch ein hellsichtiges Anschauen beurteilt werden. Unser Engel wird uns dabei gewiss gerne als Mittler beistehen, wenn wir dadurch Seinen Weg (und damit unseren) finden. Und vielleicht sollten wir "den Christus" nicht immer so fern von uns sehen...
28) ... So gibt es auch hier eine "Weihe". Auch das Urchristentum kannte keine spezielle und schon gar nicht kirchliche "Priester-Weihe". Das ist auch Martin Luthers Postulat: «Was ausz der Tauff krochen ist, das mag sich rumen, das es schon Priester, Bischoff und Bapst geweyhet sey.»
Siehe auch: Hans-Martin Barth, «Einander Priester sein - Allgemeines Priestertum in ökumenischer Perspektive», Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 1990, bzw. Herbert Haag, «Worauf es ankommt», Herder Verlag.
So ist auch das «Sakrament der Weihe» allgemein-"laien"-priesterlich dem Kreis freien christlichen Handelns eingegliedert!
Siehe dazu Informationsbuch, Kap. «Nur mit Weihe?» !
29) ... So auch Dieter Brüll in «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus», S.138-139. Dies ist ein Prinzip allgemein-priesterlichen Wirkens.
30) ... Rudolf Steiner gab die frei christlich gefasste Taufe, Trauung, Bestattung, Sonntagshandlungen für die Kinder und Jugendfeier ("Konfirmation") dann (fast) textgleich auch der CG.
31) ... Zum freien christlichen Prinzip (in dem auch die «Jugendfeier» steht) sagt Rudolf Steiner «dass (hier) der Mensch ganz allgemein in die Menschheit hineingestellt wird, nicht in eine bestimmte Religionsgemeinschaft, die 'Christengemeinschaft' (wie jede Kirche -VDL), aber stellt ihn in eine bestimmte Religionsgemeinschaft hinein.» GA 265, S.38. Dieser freie christliche Weg wurde vor allem auf Fragen von Kirchen-«Dissidenten» - nicht nur Anthroposophen! - gegeben, die im konfessionellen Rahmen der bestehenden Kirchen keine Heimat, nicht genügend Tiefe fanden.
32) ... Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
33) ... «Es kommt also darauf an, denjenigen Menschen etwas zu geben, die zunächst - man muss da die historisch gegebene Notwendigkeit ins Auge fassen - nicht in der Lage sind, unmittelbar den Gang zur anthroposophischen Bewegung anzutreten. Für sie muss durch Gemeindebilden in herzlichem, seelischem und geistigem Zusammenwirken der Geistesweg gesucht werden, welcher heute der der menschlichen Entwickelung angemessene ist.» Steiner sieht die CG als «Vorschule» zur Anthroposophie.
Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219. Doch: Was suchen eigentlich Anthroposophen in einer "Vorschule" zur Anthroposophie ??
34) ... GA 265 (1987), S.38. Hier ging es um die - allgemein-/ laienpriesterlich durchgeführte - Jugendfeier gegenüber der kirchlichen Konfirmation der CG, mit dem gleichen Text. Diese Feststellung betrifft aber eine grundsätzliche Ansicht Steiners und alle durch ihn erneuerten Sakramente. Auf Erden dienen die unterschiedlichen Kultusströmungen den Bedürfnissen bestimmter Zielgruppen, auf höherer, kosmischer Ebene, vor Michael, sind sie aber wieder eins. So konnte z.B. Jesus Christus das Vaterunser -- als gleichen Text -- für alle Christen, für unterschiedlichste Bewusstseinsebenen und Seelenstimmungen geben.
35) ... Siehe Fußnote 50.
36) ... Siehe Fußnote 30.
37) ... Ein wesentlicher Unterschied zur interreligiösen AG ist der Status der CG als Kirche (als «Körperschaft des öffentlichen Rechts» ist die CG auch staatlich anerkannte «Kirche».). Zudem steht «Die Christengemeinschaft» in einer Reihe mit den konservativen - eben auch der katholischen - Kirchen, indem auch in ihr das «Zwei-Stände-System» von Klerikern und Laien besteht. Typisch ist hier das Priester-Prinzip, die herausgehobene Hirten-Aufgabe des Priesters: «Sie werden so wirken können, dass Sie nun wirklich Ihre Gemeindekinder innerlich, gemüthaft an sich ketten können. Wenn ich sage "ketten", so bedeutet das nicht, Sklavenketten anzulegen. Dazu gehört allerdings, dass die Gemeindemitglieder durch Sie das Bewusstsein bekommen, in einer gewissen Brüderlichkeit zu leben. Die Gemeinden müssen konkrete brüderliche Gefühle in sich haben und sie müssen ihren Prediger-Leiter als eine selbstverständliche Autorität anerkennen, an die sie sich auch wenden in konkreten Fragen. ... Es muss möglich werden, dass man das Gefühl hat, man bekommt eine Art Direktive aus der geistigen Welt heraus, wenn man den Prediger fragt.» Rudolf Steiner, 13.6.1921, GA 342 (1993), S.51. Dieses «Zwei-Stände-Prinzip» wird von Rudolf Steiner sogar innerhalb der Priesterweihe festgeschrieben (22.9.1922, vormittags, GA 344, S.251-252, Auszug aus dem Akt der Barettübergabe innerhalb der Priesterweihe der CG): «Das Sinnbild, das du jetzt empfängst, drückt aus dein anderes Verhältnis von dir aus zu den Menschen, für die du dein Amt verwaltest. Das heißt, du hast durch die vorhergehenden Ritualien deine Gemeinschaft mit der göttlichen Wesenheit erhalten. Durch dieses Zeichen erhältst du deine Macht über diejenigen, die sich dir anvertrauen als Gemeindeglieder. Du führest sie kraft des Amtes, das symbolisiert ist in dieser Behütung deines eigenen Hauptes. Du trägst dieses immer, um auszudrücken dieses dein Verhältnis zu der Laiengemeinschaft. ...»
Neben dem kirchlichen "Amt" - gegenüber dem allgemein brüderlichen "Laien"-Priestertum (siehe Informationsbuch, Kap. «Nur mit Weihe?») - ist ein wesentlicher Unterschied außerdem die «direkte» Kommunion in der Opferfeier, gegenüber dem «indirekten» Kultus der traditionellen Messe, auch der «Menschenweihehandlung» der CG. Hier - wie in der kath. Messe - wird zunächst Brot und Wein gewandelt, die dann dem Kommunikanten gereicht werden und nach Einnahme der Substanzen in ihm wirksam sind und so in der Folge auch ihn selbst wandeln können. Beim «direkten» Typ (wie in der Opferfeier) vollzieht sich die Wandlung «direkt» an Leib und Blut des Kommunikanten (hier konzentriert im Moment der Handauflegung). ( «Es wäre unrichtig zu meinen, in der Opferfeier gäbe es keine Substanzen. Sie sind da [jedoch] in der Gestalt des Leibes und des Blutes des Menschen [selbst]...» Maria Röschl-Lehrs, «Ritualtexte...», «Zur Opferfeier», GA 269. )
38) ... Siehe u.a.: Gerhard von Beckerath, «Gespräch als Kultus», S.29 :
Vergleich von Messekultus und neuem, zeit-not-wendigem Kultus :
MESSEKULTUS : 1. Der Gottesgeist senkt sich von oben nach unten. 2. Die Vollziehenden wenden sich nach oben. 3. hierarchische Gliederung, Laien und Kleriker. 4. frontaler Kultus (hintereinander angeordnete, gerade Reihen mit Blick zum Altar). 5. Priester wendet Gemeinde Rücken zu, der einzelne befindet sich im individuellen Nachvollzug. 6. Diese Kultusgemeinschaft nennt man Gemeinde. 7. Genau vorgeschriebener Kultustext und –form. 8. (VDL:) «indirekter Kultus» (a. Wandlung Brot & Wein, b. diese werden eingenommen und wandeln dann den Leib des Kommunikanten).
NEUER KULTUS (hier als «Fußwaschungs-Kultus» benannt) : 1. Christus als die neue Sonne auf Erden, strahlt von dort in uns und den Kosmos: von unten nach oben. 2. Der Teilnehmer wendet sich dem anderen Menschen zu, er wirkt im Horizontalen. 3. Es gibt keine Hierarchie beim Vollzug des Kultus. Jeder ist in ihm Diener des anderen. Der Vollzug ist unabhängig von jeder Institution; jede ihn vollziehende Gruppe ist autonom. 4. Man befindet sich in einer Situation des Gegenübers oder des Kreises. 5. Jeder ist - sich der geistigen Welt zuwendend - Priester für den anderen und für sich. 6. Man strebt zur Brüderlichkeit als Kultus-Schale. 7. Dogmatische Vorgaben kann es nicht geben (nur Vorschläge). 8. (VDL) «direkter Kultus» (keine «Substanzen», Wandlung ergreift direkt "Leib und Blut" und Geist und Seele des Kommunikanten).
39) ... «So muss im strengsten Sinne des Wortes das verstanden werden, dass sich neben der anthroposophischen Bewegung eine andere Bewegung aus sich selbst heraus, nicht aus der anthroposophischen Bewegung heraus begründet hat, begründet hat aus dem Grund, weil außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft zahlreiche Menschen sind, die den Weg in die anthroposophische Bewegung hinein selber nicht finden, die später mit ihr zusammenkommen können. ... Nebenher ... könne eine solche Bewegung für religiöse Erneuerung gehen, die ganz selbstverständlich für diejenigen, die in die Anthroposophie hinein den Weg finden, keine Bedeutung hat, sondern für diejenigen, die ihn zunächst nicht finden können. ... Aber nach jeder Richtung hin muss diese Bewegung für religiöse Erneuerung von Menschen getragen werden, die noch nicht den Weg in die Anthroposophische Gesellschaft hinein finden können. ... dass streng darauf gesehen wird, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung nach allen Richtungen in Kreisen wirkt, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen.» Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
Siehe Informationsbuch, Kapitel «Anthroposophie und Kirche», mit dem Vortrag Rudolf Steiners vom 30.12.1922.
40) ... «Diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft gefunden haben, brauchen keine religiöse Erneuerung (durch die CG -VDL). Denn was wäre die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie erst religiöse Erneuerung brauchte.» Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
41) ... Siehe Fußnote 3.
42) ... «...weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen Bekenner zu finden, nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe der Anthroposophen macht.» Rudolf Steiner, 30.12.1922.
43) ... Siehe Wolfgang Gädeke, «Lenker» (!) der CG (in Flensburger Hefte, So.heft 9, S.67) : «Aber das eigentliche Ärgernis (für den Anthroposophen -VDL) dahinter ist, dass der Anthroposoph hören muss, wenn er Religion pflegen will, gibt es im Grunde keine Alternative zur Christengemeinschaft.»
44) ... «Dasjenige, was ich jetzt als Konsequenz sage, war zu gleicher Zeit die Voraussetzung für das Handbieten zur Gründung der Bewegung für religiöse Erneuerung, denn nur unter diesen Bedingungen konnte man die Hand dazu bieten. Wenn diese Voraussetzung nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge die Bewegung für religiöse Erneuerung niemals entstanden. Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen, dass es notwendig ist, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse: dass sie bei ihrem Ausgangspunkte stehen bleiben müsse, dass sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb der Kreise der anthroposophischen Bewegung zu suchen ...» Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219. Siehe auch Informationsbuch, Kap. «Anthroposophie und Kirche».
45) ... Der klarstellende Vortrag Rudolf Steiners am 30.12.1922 wurde innerhalb der Gesamtausgabe (GA 219) - also für alle verfügbar - erst 1927 (!) veröffentlicht.
46) ... «Denn die Anthroposophische Gesellschaft wird von demjenigen nicht verstanden, der sich nicht so auffasst, dass er ein Rater und Helfer sein kann dieser religiösen Bewegung, dass er aber nicht unmittelbar in ihr untertauchen kann. Wenn er dieses tut, so arbeitet er an zweierlei: Erstens arbeitet er an der Zertrümmerung und Zerschmetterung der Anthroposophischen Gesellschaft, zweitens arbeitet er an der Fruchtlosigkeit der Bewegung für religiöse Erneuerung.», Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219, siehe auch Informationsbuch, Kap. «Anthroposophie und Kirche». Nach dem Tode Steiners brach ein Machtkampf zwischen den verschiedenen Flügeln aus (ganze Landesgesellschaften und sogar von Rudolf Steiner eingesetzte Vorstandsmitglieder der AG wurden ausgeschlossen), der über Jahrzehnte eine lähmende Dunkelheit über die Anthroposophische Gesellschaft legte. Man hatte die Mitte, den liebenden Christus, IHN im DU nicht wirksam werden lassen können... man hatte die "Religion" abgegeben und verloren...
47) ... Wer das Monopol der CG hinterfragte und freie Wege forderte, wurde (1998) öffentlich in den Publikationen der CG («Die Christengemeinschaft» sowie in verschiedenen CG-Gemeindeblättern und CG-Infos) und der AG («Die Drei», «Das Goetheanum» s. Fußnote 65 ), insbesondere von Autoren aus der CG, mit einseitigen Behauptungen und nicht selten Unwahrheiten konfrontiert, ausgegrenzt und diskreditiert, und zwar ohne das Recht auf Richtigstellung oder gar Darstellung der eigenen Perspektive. Selbst - und gerade - "prominente" Befürworter des freien christlichen Impulses blieben und bleiben in Deckung, um nicht verunglimpft und ausgegrenzt zu werden. Momentan legt sich die Offensivität und man versucht das Thema und unsere Bemühungen "totzuschweigen".
So versuchte die CG auch - letztlich dann doch erfolglos - die Herausgabe der «Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken» Rudolf Steiners (GA 342-346) durch die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung zu verhindern, in denen Steiner die Bedingungen und Grundlagen für die Begründung der CG darlegte. (Obwohl diese Kurse ebenso von Waldorflehrern und anderen besucht wurden, werden diese Vorträge seitens der CG als "ihre" «Priesterkurse» tituliert und alleine beansprucht.)
48) ... Immer wieder wird - vor allem von Persönlichkeiten aus und der «Christengemeinschaft» - behauptet, aber nicht belegt, dass Rudolf Steiner die an Ruhtenberg und Schuster gegebenen, freien christlichen Sakramente/Ritualien (insbesondere hier Taufe, Trauung, Bestattung) mit Begründung der «Christengemeinschaft» dieser «übergeben», «vermacht», etc. habe.Mir (VDL) ist keine solche Stelle irgendwo im Werk Steiners bekannt und bisher auch von der «Christengemeinschaft» nicht benannt gemacht worden. Am
9.11.1997 schrieb ich daher die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung an, um u.a. konkret die Frage zu klären :
«Können Sie uns eine schriftlich belegte Aussage oder Stelle im Werk Rudolf Steiners benennen, wo er explizit: a.) die an Ruhtenberg und Schuster gegebenen Ritualien als nun alleinigen Besitz, spirituelles Eigentum (etc.) der «Christengemeinschaft» und b.) "laien"-priesterliches Wirken in unserer Zeit als nun unzeitgemäß und beendet (etc.) erklärt hat?»
Mit Datum vom 24.11.1997 antwortete Frau Ulla Trapp für die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung in Dornach u.a. folgend:
«Aussagen Rudolf Steiners, wie Sie sie angeben, sind uns nicht bekannt, weder zu a) noch zu b) ... Einmal ganz äußerlich betrachtet: Rudolf Steiner gab die ersten Texte für die Menschenweihehandlung im Herbst 1921 zum Abschreiben an Bock, Spörri und Klein - die Christengemeinschaft existierte ja damals noch nicht - und ließ sich seine handschriftlichen Originale zurückgeben. Diese befinden sich seit damals und bis heute im Archiv der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung.»
49) ... Die, aufgrund des Widerstandes der CG, bis vor kurzem zurückgehaltenen "Priester"-«Kurse über christlich-religiöses Wirken» (Rudolf Steiner, GA 342-346, die Kurse zur Begründung der CG) und die lange Zeit relativ unbekannte Klarstellung vom 30.12.1922 wie auch anderer Hinweise Steiners, verhinderten eine Urteilsbildung und machten im Verein mit einem massiven Auftreten der CG («Es ist ein furchtbar starkes Werben da, das autoritativ wirkt ...» Marie Steiner, Dreißiger-Kreis, 13.2.1923 / « ... sie wollen jeden haben. Die haben keinen Grund Klarheit zu schaffen.» Rudolf Steiner, 9.12.1922, «Zur religiösen Erziehung ...» / «die grasen ab, ihrerseits ...» Rudolf Steiner, GA 300b, S.227) eine Monopolisierung der «erneuerten» Sakramente möglich, die auch heute noch postuliert wird: siehe oben Wolfgang Gädeke, («Lenker» der CG), Fußnote 43.
Rudolf Steiner dazu: «Es ist niemals für die Rituale, die für die Schule da sind, etwas ausgesprochen worden, dass sie der Priesterschaft gehören.» 9.12.1922, «Zur religiösen Erziehung...», (1997), S.174. (Dies betrifft grundsätzlich sakramentales Handeln. Siehe dazu Fußnoten 8/23.)
50) ... Die durch Rudolf Steiner vermittelten Sakramente sind also nicht «alleiniges Gut», «spirituelles Eigentum» etc. der CG, so wie Rudolf Steiner aufgrund der Begründung der CG nicht das/ein "laien"-priesterliches Handeln als nun aufgehoben oder überflüssig ansah/ erklärte. Dass Rudolf Steiner aufgrund fehlenden Fragemutes, mangelnder Erkenntnis und Einsicht in die kultushistorische Dimension und im Schatten der in die AG fatal hineinwirkenden Gründungswucht der CG-Priester, dann aber auch durch seinen frühzeitigen Tod, selbst einen vollen Kreis freier christlicher Sakramente nicht mehr geben konnte, ist kein Argument für deren Annullierung und/oder Übergang an die CG. Es fehlte den Anthroposophen die Information und der Mut eigene Wege zu gehen. Die CG hat mit der AG nichts zu tun. Und ohne die Fragen seitens der Theologen hätte Rudolf Steiner von sich aus die CG nicht begründet, denn für den Fortschritt der AG und der Anthroposophie war die CG nicht nötig, sondern eher hinderlich... was folgte war die «Fruchtlosigkeit» (30.12.22) ...
Andererseits: Wären denn für eine Entwicklung eines allgemein-christlichen Weges noch weitere Antworten bzw. extra Aufforderungen Steiners nötig (gewesen), wo er doch bereits konkret Handlungen und Texte gegeben hatte und darauf hinwies, dass ein und dasselbe Ritual für verschiedene Lebenszusammenhänge/Strömungen (AG und CG) verwendet werden könne?
51) ... «Die Autoren (Wolfgang Gädeke in seinem Buch «Die Fortbildung der Religion») vertreten hier die Meinung, die sich im Gesamtduktus deutlich zeigt, dass die Religion innerhalb der anthroposophischen Gesamtbewegung von der Christengemeinschaft repräsentiert wird. ... Dass von der Dreiheit Wissenschaft - Kunst - Religion mit der Begründung der Christengemeinschaft die Religion an diese gewissermaßen übergeben worden sei, bezeichnet Rudolf Frieling (damals «Erzoberlenker» der CG -VDL) 1984 ausdrücklich als ein 'Missverständnis' ...» Michael Debus, em. Leiter des Priesterseminars der CG in Stuttgart, in «Anthroposophie und Religion, Eine notwendige Ergänzung zur Gädeke-Studie», in: «Mitteilungen...» der AG, Nr. 178, IV/1991, S. 274-276.
Leider findet sich dieses «Missverständnis» ansonsten (fast) nicht öffentlich gemacht. Verständlich? Denn schließlich wird mit dieser Einsicht einem Monopolanspruch widersprochen...
52) ... Siehe Fußnote 49.
53) ... Siehe Fußnoten 48/50 oben.
54) ... Als Beleg dafür wird seitens der CG oftmals angeführt, dass Rudolf Steiner immer wieder Menschen an die CG verwiesen hätte und auch selbst von ihr bestattet wurde. - Natürlich ist jeder Mensch - auch der Anthroposoph - frei, sich eine ihm gemäße Kirche zu suchen. Rudolf Steiner suchte aber absolut nicht die CG für seinen Weg! Weil die CG aber für viele Menschen - «die den Weg in die AG noch nicht (!) finden können» - wichtig war und ist, hatte er die CG als «Rater und Helfer» auf den Weg gebracht und war ihr als solcher verbunden. Diese berechtigte Position als Rater und Helfer (der er in vielen anderen Bereichen auch war!) der Priesterschaft stellt hohe Anforderungen und sollte nicht die reguläre Aufgabe für die Anthroposophenschaft sein (siehe den Vortrag Rudolf Steiners vom 30.12. 1922) (das sollte die «moralische Intuition» eines «ethischen Individualismus» sein – s. «Philosophie der Freiheit»). Dass Rudolf Steiner nicht von "Anthroposophen", «spezifisch anthroposophisch» bestattet wurde, gehört zu den vielen Unfähigkeiten, Versäumnissen, Verdunklungen und Machtpositionen in der damaligen Situation, die nach seinem Tod explodierte.
55) ... Taco Bay (damals Erzoberlenker der CG), 10.6.1999 auf eine schriftliche Anfrage von VDL, schriftlich an VDL.
Steht damit die Priesterschaft der CG ggf. sogar noch über den Einsichten eines «Eingeweihten»(!), der objektiv «in der Lage wäre»(!!) Texte herunterzuholen? Und wer weiß denn, dass und ob dies nur dem «Eingeweihten» möglich ist? Sollen wir also dem Schulungsweg der Anthroposophie, der uns - letztendlich - dahin bringen kann, abschwören, weil dies einer Priesterschaft nicht «zugemutet werden» kann?! Warum eigentlich nicht? Weil sie eine spirituelle Vorrangstellung, ihre Machtposition, ihr Monopol erhalten will?? (Denn - im Hinblick auf die Anthroposopohen - « .. sie wollen jeden haben. Die haben keinen Grund Klarheit zu schaffen.» Rudolf Steiner, 9.12.1922) ... um auch noch und weiterhin auch die Anthroposophen (s.o.) als ihre «Gemeindekinder innerlich, gemüthaft an sich ketten (zu) können.» (Rudolf Steiner, 13.6.1921) Solch ein Ansinnen wäre für einen freien Geist so irrig, dass es nur kommentarlos zu ignorieren bliebe...
56) ... Siehe Fußnote 48.
57) ... Duden, Fremdwörter: « MONOPOL [gr.-lat.]: 1. Vorrecht, alleiniger Anspruch, alleiniges Recht... 2. marktbeherrschendes Unternehmen oder Unternehmensgruppe, die auf einem Markt als alleiniger Anbieter oder Nachfrager auftritt. »
58) ... S.o. u. Fußnote 43.
59) ... U. a. Sakramente, die bezeichnenderweise seitens der «Christengemeinschaft» nicht als «Kultus», sondern als «Rituale» benannt werden.
60) ... Siehe Fußnote 48.
61) ... Da ich (VDL) in meinem Streben (damals in Unkenntnis von Alternativen) auch das Priesterseminar der CG besuchte (dann aber weiterschritt), konnte ich selbst erleben - und bekam dies immer wieder von anderen (auch ehemaligen) Seminaristen bestätigt - dass dort bestimmte Fragen tabuisiert waren, bzw., wenn unumgänglich, dann nur ausweichend, uninformiert oder relativiert dargestellt und zu kritische Fragesteller exmatrikuliert wurden.
62) ... Siehe typisch dafür Gädeke, Fußnote 43, s. auch Text zur Fußnote 55.
63) ... Rudolf Steiner, GA 219, 30.12.1922, S.173.
64) ... Rudolf Steiner, GA 219, 30.12.1922, S.173.
65) ... Siehe in TEIL 10 «Dokumentation» des Arbeitsmaterials Zur Kultus-Frage (vergriffen) die Argumente von z.B. Michael Debus (em. Leiter des Priesterseminars der CG in Stgt) und Hans-Werner Schroeder (Oberlenker und em. Leiter des Priesterseminars der CG in Stgt) und deren Darstellungen nach der 1.Auflage des «Kultus-Handbuches» (1999), insbesondere in der Zeitschrift «Das Goetheanum» und «Die Christengemeinschaft». Z. B. wird sich auf fünf (!) ganzen Seiten im «Goetheanum» (der Hauszeitung der AG!) (1999) gegen ein freies christliches Handeln ausgesprochen, die Kritisierten kommen nicht nur nicht zu Wort, sondern wurden noch nicht einmal über die Veröffentlichung weder vorher noch nachher informiert.
66) ... Siehe dazu auch den Beitrag «Nur mit Weihe?», Kap. «Meine Weihe, deine Weihe, keine Weihe» im Informationsbuch.
67) ... Dennoch sei noch einmal betont, dass die spirituelle Berechtigung der «Christengemeinschaft» - mit den Aufgaben die ihr gegeben wurden - und vor allem die seelsorgerischen und sozialen Leistungen hier in keiner Weise geschmälert werden sollen und volle Anerkennung finden.
68) ... Damals «Initiativ-Kreis Kultus» genannt.
69) ... Insbesondere wirken hier Persönlichkeiten zusammen, die als Kultushandelnde in den Freien Waldorfschulen bzw. den heilpädagogischen Heimen tätig sind, aber auch besonders Menschen in sozialen Tätigkeiten und natürlich auch anderen Engagements bzw. Berufen. Dabei arbeiten wir auf der Ebene und in der Regel als Mitglieder der «Freien Hochschule für Geisteswissenschaft».
70) ... Weil die «absolute Religionsfreiheit» jedes einzelnen Mitgliedes der «interreligiösen» Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft gewahrt bleiben muss, kann solch ein Engagement nicht im Namen und von der «Anthroposophischen Gesellschaft» selbst und offiziell vollzogen, sondern muss individuell von entsprechend qualifizierten Anthroposophen (als deren "Privatangelegenheit") verantwortet werden. Andererseits sind Anthroposophen gezwungen diese Fragen individuell und unabhängig zu stellen, weil der Macht- und Meinungseinfluss der CG (die Mehrheit der Anthroposophen sind Mitglieder der CG) auf und als Funktionäre und die offizielle AG-Arbeit eine neutrale und emotionslose Erarbeitung der Thematik in der AG bisher nicht zuließ.
71) ... Die mit der Begründung des «Initiativ-Kreis Kultus» postulierten und nun von der Initiative «Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft» verfolgten «Leitsterne» sind: + Das Allgemeine Priestersein, + Die sieben Sakramente in der fortzuschreibenden Fassung Rudolf Steiners, + Die «moralische Intuition» eines «ethischen Individualismus», + Der Sozialimpuls Rudolf Steiners, + Die Anthroposophie, + Die Freiheit des Christenmenschen, + Die individuelle Situation. Siehe hier Kap. "Leitsterne" und www.forum-kultus.de .
72) ... Charakteristisch für die freie sakramentale Arbeit ist deren Individualisierung. Die Impulse kommen zumeist aus der direkten Betroffenheit/ Frage, werden ganz individuell er- und bearbeitet und wirken nur aktuell und im privaten Rahmen. So gibt es zwar generell in der AG (unter den Nicht-CG'lern) eine große Zustimmung für ein allgemeines, freies sakramentales Engagement, zumindest zurzeit aber, vor allem aufgrund der Vorurteile und Unkenntnis der Thematik ("aber bitte nicht mit den Texten der CG"), nur wenige, die öffentlich dafür eintreten.
73) ... Wie dies in der «Christengemeinschaft» der Fall ist.
74) ... Rudolf Steiner, GA 269 (1997), S.37, zu den freien christlichen
- ebenso sakramentalen - Schulhandlungen.
75) ... «(Der Kultus,) der für viele Jahrhunderte der richtige war, (wird) es auch für viele Jahrhunderte noch bleiben [...]. Die Dinge gehen nach und nach ineinander über. Aber das, was früher richtig war, wird sich nach und nach in ein anderes verwandeln, wenn die Menschen dafür reif werden.» Rudolf Steiner, 13.10.11, GA 131.
76) ... Dass auch die Opferfeier weiter zu entwickeln wäre (würde sie außerhalb der Schulen gestellt) machte Rudolf Steiner René Maikowski (GA 269, 1997, S.133) klar, als er ihm darlegte, dass «eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung ... eine Fortsetzung dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war ...» sei!
77) ... Rudolf Steiner, 4.10.1921, vormittags, GA 269 (1997), S.25, bezüglich der Kinderhandlung; doch hat diese Zwischenbemerkung gleich zu Beginn der Erklärung und Vorstellung der Kultustexte der Schule (im «Christlich-religiösen Kurs», GA 343) grundsätzliche Bedeutung.
78) ... Rudolf Steiner, 27.6.1924, GA 236/19.
79) ... So gab Rudolf Steiner, der jeweiligen Situation angemessen, z.B. an Ruhtenberg einen anderen Tauftext als an Geyer (siehe auch diesen im Kultus-Handbuch).
80) ... Rudolf Steiner forderte immer wieder, dass man seine dargebotenen Erkenntnisse nicht einfach nur glauben oder wie ein «Rezeptbuch» benutzen, sondern selbst nachvollziehen, selbst Erkenntnisse anstreben soll. So ist auch ein Erarbeiten von Urteilsgrundlagen zu dieser Thematik nötig, schon um zu überprüfen, ob die aktuelle Realität und Gestalt der Sakramente überhaupt immer noch so wie damals gegeben auch heute noch ist oder ob wir vielleicht mit Unwahrheiten umgehen, weil wir naiv das Lebendige der Sakramente und damit deren Evolution und ggf. zwischenzeitliche Verwandlung ignorieren (z.B. in der Trauung: Mann führe, Frau folge...). Das ist natürlich eine Arbeit, die jeder Nachfragende auch selbst vollbringen muss. Mein (VDL) Nachtasten deutet auf einen nur geringen "Aktualisierungsbedarf" hin. So finden sich im Kultus-Handbuch vor allem bei der Taufe und der Trauung im Anhang Anmerkungen mit Versuchen der Aktualisierung. Die Weihe spielt dabei eine besondere Rolle, da sie im freien christlichen Wirken in der Regel nicht mehr institutionell, textlich gefasst und liturgisch sicht- und hörbar gemacht wird.
81) ... Man bedenke, dass nicht nur das gesamte esoterische Werk Rudolf Steiners, sondern die liturgischen Texte fast aller Kirchen veröffentlicht sind. «Wie retten wir nun das uns anvertraute Gut? Nicht, indem wir es vergraben und nur den Feinden die Gelegenheit geben, das damit zu tun, was sie tun wollen, sondern indem wir, vertrauend auf die guten geistigen Mächte, der neuen Generation die Möglichkeit geben, Anregungen in ihrer Seele zu empfangen, die das darin schlummernde geistige Licht aufleuchten lassen, die weckend in ihren Seelen das aufrufen, was Schicksalsmächte in sie hineingelegt haben.» Marie Steiner, Brief vom 4.1.1948, GA 270/ I (1992), S.XI.
«Dieser Geist der Zeit verträgt nicht das äußere Geheimnis, während er ganz gut verträgt das innere Geheimnis.» Rudolf Steiner, 28.12.1923, GA 260, zur öffentlichen Freigabe der nur für Mitglieder gedruckten Vorträge.
82) ... Matt. 18/20.
83) ... Gerade für eine Gemeinschaft, die die Liebe-Wirkung der Sakramente ausfließen lassen will, gilt: Hier «muss seelische Harmonie sich entwickeln, die durch die Sache selbst gefordert wird: Wenn jeder Mensch für sich handelt, so entstehen Disharmonien. Wenn auf unserem Gebiet die einzelnen Menschen, die aus diesem oder jenem heraus wirken, nicht zusammengehen, sich nicht zusammenfinden, so entsteht gar nicht Anthroposophie innerhalb der Menschheit. Anthroposophie erfordert als Sache wirklich menschliche Brüderlichkeit bis in die tiefsten Tiefen der Seele hinein. Sonst kann man sagen: Ein Gebot ist die Wirklichkeit. Bei Anthroposophie muss man sagen: Sie wächst nur auf dem Boden der Brüderlichkeit; sie kann gar nicht anders erwachsen als in der Brüderlichkeit, die aus der Sache kommt, wo der Einzelne dem anderen das gibt, was er hat und was er kann.» Rudolf Steiner, 11.6.1922, GA 211.
«Unser Zeitalter ist daran, die Magie der Gemeinschaft zu entdecken... Und es ist in der Tat jede wirkliche Gemeinschaftsbildung eine Art Geisterbeschwörung, weil dadurch eine Kraft entsteht, die größer ist als die Summe der Kräfte, die die Einzelnen besitzen ... Das Christus-Wort «Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen» erleuchtet und erfüllt, gerade wenn man es im Blick auf die «Wiederkunft Christi» versteht, eine wichtigste Gegenwartstendenz. Dieses Wort enthüllt ja die höhere Vollmacht der Gemeinschaft gegenüber den Möglichkeiten, die der Einzelne besitzt. Dabei dringt es allerdings, indem es die niedrigen Zahlen "zwei oder drei" nennt, mit stiller Energie auf die Echtheit und Substanz, die nie durch die großen Zahlen propagandistischer Statistik zu ersetzen ist ... Wahre Gemeinschaftsbildung ist ein Mittel zur Herbeirufung helfender göttlicher Kräfte, sie ist schließlich ein Mittel zur Verwirklichung des neuen Kommens Christi selbst.» Emil Bock, «Michaelisches Zeitalter»«Dadurch, dass die Menschen freiwillig ihre Gefühle zusammenstrahlen lassen, wird wiederum etwas über den bloß emanzipierten Menschen hinaus gebildet. Der emanzipierte Mensch hat seine individuelle Seele. ... Aber dadurch, dass die Menschen sich in freiwilligen Zusammenhängen zusammenfinden, gruppieren sie sich um Mittelpunkte herum. Die Gefühle, die so zu einem Mittelpunkt zusammenströmen, geben nun wiederum Wesenheiten Veranlassung, wie eine Art von Gruppenseele zu wirken. ... Alle früheren Gruppenseelen waren Wesenheiten, die den Menschen unfrei machten. Diese neuen Wesenheiten aber sind vereinbar mit der völligen Freiheit und Individualität der Menschen.» Rudolf Steiner, 1.6.1908, GA 102.
84) ... Siehe hierzu Kap. «Gemeinschaft bauen» im Kultus-Handbuch bzw. das entsprechende Buch in der Reihe des «Arbeitsmaterials Zur Kultus-Frage», siehe Literaturhinweise.
85) ... wie dies in abstruser Weise von Gegnern unseres Impulses behauptet wird...
86) ... Für die Gestaltung sozialer Zusammenhänge, einerseits im Staatswesen, aber auch in mesosozialen Gemeinschaften hat Rudolf Steiner die «Dreigliederung» vermittelt. Eine grundsätzliche Einführung von Dieter Brüll findet sich in: «Der anthroposophische Sozialimpuls», Verlag für Anthroposophie, Dornach.
87) ... Siehe dazu Fußnoten 8/14/15/21/35.
88) ... «Es handelt sich hier um Zusammenhänge, die eine Frage nach der Wirksamkeit ganz neuer Ätherkräfte nahe legen. Man wird in diesem Zusammenhang daran denken, wie das Blut des Christus, das am Karfreitag vom Kreuz in die Erde floss, sich vollständig 'ätherisierte' und der Christus-Impuls 'als eine Substanz', als Christus-Äther , zu den vier 'alten' Ätherarten hinzutritt. Als 'moralische Äther-Atmosphäre' ist er mit der Moralität der Menschen verbunden und als neuer Lebenskeim der Erde und der Leiblichkeit der Menschen eingestiftet. ... Von diesem lebendigen Band umfasst zu werden, ist die recht verstandene Sukzession. Das kann man erst durch die Anthroposophie so verstehen und gewinnt dadurch einen neuen (modernen) Sukzessionsbegriff, für den manches früher entscheidend Wichtige unwesentlich wird. Um den Anschluss an die geistige Ahnenreihe zu den Aposteln hin herzustellen, kann das Anknüpfen an das äußerlich historische Band der Handauflegung nicht wesentlich und ausschlaggebend sein.» Michael Debus (CG), «Anthroposophie und die Erneuerung der christlichen Kirche», siehe Infobuch, Kap. «Zur Weihe»!
89) ... Steiner nennt die «Weihe» in seiner Ausführung «Involution-Evolution» auch das Sakrament der (Wieder-)«Verbindung». GA 343; siehe Infobuch, Kap. «Die heilende Arznei: das Sakrament».
Siehe dazu die Anmerkungen zur «Erwachsenen-Taufe» im Kultus-Handbuch.
90) ... «Anthroposophie erfordert als Sache wirklich menschliche Brüderlichkeit bis in die tiefsten Tiefen der Seele hinein. Sonst kann man sagen: Ein Gebot ist die Brüderlichkeit. Bei Anthroposophie muss man sagen: Sie wächst nur auf dem Boden der Brüderlichkeit..», Rudolf Steiner, 11.6.1922.
91) ... «Begegne ich ihm (dem anderen) so, dass ich bereit bin, mein Bewusstsein (zeitweilig) für ihn zu opfern, dass seine Entfaltung mir also wichtiger ist als die meine, vollziehe ich - indem ich für ihn ersterbe - in gewissem Sinne eine Nachfolge Christi. Dann nah ich ihm in Seinem Namen. Dann werde ich im gleichen Augenblick von Christus selber zum Priester geweiht: Seine Gegenwart ist Weihe - in diesem Augenblick und für diesen Augenblick. Im Gegensatz zum Amtspriester, der für sein ganzes Leben geweiht wird (und damit auch dem gesellschaftlichen Kräftespiel entzogen sein soll), gilt die Weihe des sozialen Priesters nur für jene Zeitspanne, in der er «agapisch» einem Mitmenschen begegnet. Jede neue Begegnung wird ihn wieder vor die Probe stellen: Wie bist du mit Ihm zusammen? Es ist ein inneres, ein mystisches Erlebnis dieses Menschen. Kein Kreis von Priestern umringt ihn, kein Recht auf die Weihe kann erworben werden, keine gelungene sakrale Handlung berechtigt zu einer folgenden, wie sehr man es sich auch zum Beruf machen kann, jedem Menschen in Seinem Namen zu begegnen. Und nur das, was sich bei der Begegnung mit dem andern ereignet, gibt Antwort auf die Frage, ob hier ein "Priester" zelebriert hat. Es ist auch sonst ein Geschehen in denkbar größter Einsamkeit. Der andere, die anderen sind ja nur die Auslöser.
Die soziale Priesterweihe ist ein Sakrament, das, im übertragenen Sinne, der Christus unter vier Augen vollzieht.» Dieter Brüll, «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus».
92) ... Das ist natürlich eine Aufgabe, eine Frage an die gesamte anthroposophische Bewegung und nicht nur an ein bestimmtes Arbeitsfeld. An dieser Stelle kann nur darauf hingewiesen werden, dass sich dazu in der anthroposophischen Bewegung bereits ein eigenes Tätigkeitsfeld, das des Biografieberaters, herausgebildet hat, abgesehen vom weiten Feld anthroposophisch sozialer Berufe.
93) ... Hochstapler, Unwürdige etc. werden erkannt und dann nicht mehr gefragt werden, die Spreu wird sich so vom Weizen trennen. Denn - wie auch den Arzt, den Lebens-, Biografieberater etc. - ein jeder Suchende kann und wird sich auch für die kultischen Hoch-Zeiten den Handelnden seines Vertrauens selbst suchen.
94) ... Fragt ein Chassid den Rebbe: «Wo wohnt Gott ?» Fragt der Rebbe: «Wo wohnt ER nicht ?» Martin Buber
95) ... Sie lässt sich auch nicht abschließen, denn «... man kann nichts für die Ewigkeit begründen. Wir werden schon in einiger Zeit vor die Notwendigkeit gestellt werden, wiederum das, was anthroposophischer Organismus ist, mit neuen Kleidern zu versehen. Aber dieses Schicksal hat man ja als Mensch auch: Man kann nicht immer dieselben Kleider anhaben. Und jede Organisation ist ja schließlich doch für das, was man lebt, ein Kleid. Warum sollte man just in einem sozial organischen Gebilde für die Ewigkeit arbeiten wollen! Was leben will, muss sich wandeln, und eigentlich ist nur, was sich wandelt, lebensvoll.» Rudolf Steiner, 2.3.1923, GA 257/8, S.162. «Etwas Prinzipielles kann es im Leben der Welt überhaupt nicht geben, sondern es kann nur das sich in Leben Wandelnde geben.» Rudolf Steiner, s.o.Wenn Sie sich also mit dieser Thematik beschäftigen und vor allem aus diesem Konzept zitieren und die hier versuchten Hypothesen und Texte weitergeben wollen, berücksichtigen Sie bitte diese "Vorläufigkeit" und erkundigen Sie sich ggf., ob Sie auch die neueste Publikation vor sich haben!
Schauen Sie auch immer auf unsere Website: www.forum-kultus.de
96) ... DENNOCH : Jedem seinen Weg !!
Ich habe in dieser Darstellung gewagt, andere Wege kritisch zu betrachten, weil ich diese auch gegangen bin, in der «Christengemeinschaft» bis hin ins Priesterseminar. Doch bitte ich um Verzeihung, wenn ich hier irgendjemanden verletzt haben sollte, ich bitte um Rücksprache um Falsches zu korrigieren!










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